Nach der Ernte ist vor der Ernte

Geschrieben am 25.07.2022 | Kategorie(n) Beiträge

Stoppelbearbeitung

Die Erntearbeiten gehen zügig voran, nur kurz unterbrochen von den herbeigesehnten Regenfällen Mitte der Woche.

Auch wenn teilweise bis zu 25 l/qm gefallen sind ist das doch nur ein „Tropgen auf den heißen Stein“. Nachernteproben in der Schicht 0-30 cm im Odenwald ergaben am Dienstag (vor dem Regen), dass nur noch 2-3 % Bodenfeuchte im Oberboden vorhanden sind. Unter trockenen Bedingungen sollte die Stoppelbearbeitung möglichst flach erfolgen. Wer Strukturschäden unterhalb der Bearbeitungshorizontes feststellt, kann auch eine Tiefenlockerung durchführen. Danach muss unmittelbar eine Aussaat erfolgen! Eine Stabilisierung der geschaffenen Makroporen kann nur durch Lebendverbauung erfolgen. Für eine erfolgreiche Lebendverbauung brauchen wir junge Pflanzen in der Wachstumsphase, die ihre Assimilate über das Wurzelwerk in den Boden bringen. Die Pflanzen stabilisieren durch ihre Wurzeln und viel wichtiger noch, durch die Bodenbiologie, die die Wurzeln umgeben. Nur so gelingt Bodenaufbau.

Futterzwischenfrüchte

Da wir noch früh im Jahr sind und Futterengpässe bei den Futterbaubetrieben sich abzeichnen, können auf tiefgründigeren Standorten oder bei besseren/nasseren Witterungsaussichten Futterzwischenfrüchte oder Zweitfrüchte angebaut werden. Eine im August gesäte Sommertriticale kann noch als Ganzpflanzensilage genutzt werden. Körnerhirse eignen sich nur für Biogasanlagen, da sie Blausäure enthalten und nicht für die Fütterung geeignet sind. Sofern eine Nutzung im Herbst stattfinden soll, muss eine reguläre Düngebedarfsermittlung vor der Ausbringung von N- oder P-haltigen Düngern durchgeführt werden. Bitte sprechen Sie uns auf Nmin-Referenzwerte aus Nacherntebeprobungen an. Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der Woche die ersten Ergebnisse erhalten. Auch Greening-Zwischenfrüchte dürfen dieses Jahr für die Fütterung genutzt werden, wobei alle anderen Vorschriften für den Anbau von Greening-Zwischenfrüchten weiterhin gültig sind.

Strohmanagement

Sofern das Stroh nicht abgefahren wird und auf der Fläche verbleibt, muss das Häckselgut gleichmäßig und sorgfältig verteilt werden! Für die Strohrotte sollte der Mähdrescher das Stroh nicht nur kurz häckseln, sondern auch auffasern. Damit wird den Mikroorganismen eine bessere Angriffsfläche geboten. Die Strohzersetzung erfolgt vorrangig durch Pilze und Bakterien und ist abhängig vom C/N-Verhältnis im Stroh. Der Einsatz von Halmverkürzern, aber auch Fungiziden kann sich negativ auf den Rotteprozess auswirken. Während Maisstroh ein C/N Verhältnis von 50/1 hat, beträgt es beim Weizen ca. 80/1.  Je niedriger das C/N-Verhältnis ist, desto weniger N wird für die Strohrotte anfänglich immobilisiert! Unabhängig von der N-Fixierung setzt jedoch bei ausreichender Befeuchtung nach ca. 65 Tagen die Umkehr der Immobilisierung ein! Die Zersetzungsgeschwindigkeit verhält sich wie folgt: Maisstroh > Haferstroh > Roggen/Gerstenstroh > Weizenstroh

Zur Strohrotte besteht kein Bedarf an zusätzlichem Stickstoff! Das mag verwundern, denn zu Anfang wird Stickstoff für die Rotte benötigt, nämlich ca.5 kg N/to Stroh, aber:

  • Langjährige Nachernte Nmin Beprobungen belegen, dass nach der Ernte ausreichend–schnell verfügbares Nitrat im Oberboden vorhanden ist!
  • Die Mineralisierung aus der organischen N-Fraktion im Boden nimmt mit der Stoppelbearbeitung explosionsartig zu. Als Faustzahl gilt: 30 kg N/ha je Bearbeitungsgang
  • Bei Mindererträgen in Folge der Trockenheit sorgt der Stickstoffüberschuss entweder für ein engeres C/N-Verhältnis im Stroh oder er befindet sich noch im Boden, was den Aufbau von Bakterienprotein und einer schnellen Rotte fördert.

Zwischenfruchtanbau

Infolge von Klimawandel und zunehmenden Anteil des N-Pools im Boden wird die mögliche Mineralisierung nach der Ernte immer größer. Zwischenfrüchte binden den Stickstoff. Daneben benötigen wir sie zur Verbesserung der Bodenbiologie und zur Beschattung der Fläche. Auch dort wo Gesetzgeber oder Wasserschutzkooperationen den Zwischenfrucht-anbau nicht vorschreiben, sollten brachliegende Flächen ein Anblick sein, der in die Vergangenheit gehört. Landhandel und die Züchterhäuser bieten ein breites Sortiment an Gemengen und Reinsaaten. Für nahezu jeden Termin, jede Fruchtfolge und jede Saattechnik ist etwas dabei.