Zwischenfrüchte, Zweitfrüchte, Raps in nitratbelasteten Gebieten – Wann darf nach der Ernte gedüngt werden? Was ist zu beachten?

Geschrieben am 28.06.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

Während sich auf („grünen“) Flächen ohne Nitratbelastung nach § 13a – DÜV nur wenig geändert hat, gibt es für („rote“) Flächen mit Nitratbelastung weitere Auflagen, die zu beachten sind:

Zwischenfruchtanbau ist Pflicht, wenn die Folgefrucht eine Sommerung ist und die jeweilige Hauptfrucht bis zum 01. Oktober geerntet wurde. Sofern die folgende Sommerung nach dem 1. Februar bestellt wird, darf die Zwischenfrucht erst ab dem 15. Januar eingearbeitet werden.

Nach der diesjährigen Ernte gilt für die roten Flächen in nitratgefährdeten Gebieten:  keine N-Düngung von Ackerflächen, es sei denn, dass sie in diesem Jahr noch beerntet werden (also Zweitfrüchte angebaut werden).

Ausgenommen sind:

  • Zweitfrüchte (Ernte im Herbst)
  • Folgefrucht Raps, sofern ein Nmin-Wert < 45 kg N/ha nachgewiesen wird,
  • Zwischen-(Zweit)früchte mit Futternutzung im Herbst,
  • Zwischenfrüchte ohne Futternutzung, sofern nur Stallmist von Huf- oder Klauentieren oder Kompost bis zu einer Menge von 120 kg Nges/ha ausgebracht wird,
  • Mehrjährige Feldfutterbauflächen, die bis zum 15. Mai des Jahres bestellt wurden

Für Zweitfrüchte muss prinzipiell  wie bei Hauptfrüchten eine Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden. Wenn keine eigenen Erträge als Referenzen vorliegen, so kann man sich bei früher Aussaat (Juli bis Anfang August) nach der Wintergerstenernte an folgende Werte orientieren (Quellen: BLE, LK NRW, DÜV):

 

Zweitfrucht Ertragsniveau N-Bedarf/ha
Ackergras (1 Schnitt) 30 dt TS/ha 41 kg N/ha
Ackergras (2 Schnitt) 40 dt TS/ha 64 kg N/ha
Sorghum 79 dt TS/ha 90 kg N/ha
GPS-Hafer 40 dt TS/ha 60 kg N/ha
GPS-SoGerste 47 dt TS/ha 65 kg N/ha
GPS-SO-Triticale 41 dt TS/ha 60 kg N/ha
Hafer/Erbsen-Gemenge 50 dt TS/ha 30 kg N/ha

 

Wenn die Wetterprognosen ungünstig sind (kein Regen in Sicht), sollte vor einer Düngung zunächst die Entwicklung beobachtet und gewartet werden, bis die Prognosen günstiger sind und die Pflanzen eine Bestandeshöhe > 4 cm aufweisen bzw. das 2. Blatt erscheint.

Sowohl vor Zweitfrüchten als auch vor einer geplanten Herbstdüngung zum Raps muss eine Nmin-Probe gezogen oder ein anerkannter Nmin-Referenzwert (z.B. Nacherntebeprobung der AGGL) berücksichtigt werden. Vor Raps darf dieser Wert nicht größer als 45 kg N/ha betragen. Da die Vorwinterentwicklung des Raps sich maßgeblich auf die Ertragsleistung auswirkt, sind eigene Untersuchungsergebnisse zu bevorzugen.

Wir bieten daher allen Rapsanbauern an, uns bis zum 1. Juli betreffende Flächen zu melden, damit wir diese Flächen in die Beprobung mit aufnehmen.  Bitte senden Sie eine Mail mit der Schlagbezeichnung, unserer Beprobungsnummer und der derzeitigen Erntefrucht an aggl@wasserwerk.com

Informationen aus der Landwirtschaft – März

Geschrieben am 13.04.2021 | Kategorie(n) Beiträge

Alles Mist…

Mist, Kompost und Gülle sind wertvolle, organische Dünger, die wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium und Schwefel sowie verschiedene Spurenelemente enthalten. Mit der Ausbringung von Mist, Kompost und Gülle werden Nährstoffkreisläufe geschlossen.  Stickstoff als Hauptnährstoff für das Pflanzenwachstum ist hier als Ammonium-Stickstoff und organisch gebundener Stickstoff vorhanden. Der Ammonium-Anteil ist im Jahr der Ausbringung pflanzenverfügbar, der organische Anteil wirkt je nach Mineralisationsrate (so nennt man den Abbau organischer Substanz durch Mikroorganismen) bis in die Folgejahre. Der Ammonium-Anteil in Gülle ist hoch! Festmist hat einen wesentlich höheren Trockensubstanzgehalt als Gülle, das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis ist weiter und bestimmt die Stickstoff-Freisetzung aus dem Festmist.  Je höher der Rottegrad von Mist, desto höher ist der Anteil des Ammonium-Stickstoffs. Der Strohanteil im Mist ist ein Leckerbissen für Mikroorganismen und verbessert die Bodeneigenschaften. Auch Kompost wirkt bodenverbessernd. Hier ist der Stickstoff fast vollständig organisch gebunden. Die organische Substanz führt bei langjähriger Anwendung zur Anreicherung von Humus.

Profis bringen Mist, Kompost und Gülle bedarfsgerecht mit passender Technik auf die Flächen. Leider wird vereinzelt immer noch zu viel Mist, Kompost oder Gülle auf Flächen gefahren. Wer das macht verstößt möglicherweise gegen die Düngeverordnung und sollte sich intensiver mit dem den Themen Pflanzenbau und Pflanzenernährung beschäftigen.

In früheren Zeiten war der Misthaufen ein Statussymbol! Wer einen großen Misthaufen auf dem Hof hatte, hielt auch viele Tiere im Stall. Der Münchner Agrarwissenschaftler Carl Fraas schrieb 1865: „Am Misthaufen erkennt man den Bauern, in ihm zeigt sich die innere Kraft seiner ganzen Wirtschaft.“

Außerhalb der Branche werden Mist, Kompost und Gülle heute kaum noch als wertvolle Dünger wahrgenommen, sie stehen für Grundwasserbelastung und Geruchsbelästigung – das ist doch Mist!

Aktualisierung der Nmin-Werte – Rüben und Mais wasserschutzkonform düngen

Geschrieben am 25.03.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Eine Aktualisierung der Nmin-Werte (Stand 24.03.21) im Reinheimer Hügelland kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden:
Nmin-Werte Reinheimer Hügelland (24.3.21)

Dre nachfolgende Rundbrief kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden:

Rundbrief Rüben und Mais

In diesem Jahr sind im Reinheimer Hügelland für gleiche Hauptfrüchte nur geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Gemarkungen festzustellen. Bitte beachten Sie: Sofern keine eigenen Bodenanalysen vorliegen, müssen unsere Werte bzw. die Richtwerte aus der LLH-Referenzflächenliste im gleichen Postleitzahlbereich für die DBE verwendet werden!

Um möglichst genaue Werte zu erhalten, lassen wir die Bodenproben zu den jeweiligen Kulturen und unter Berücksichtigung von regionalen Besonderheiten (z.B. Vegetationsbeginn, frühe Ausbringung stabilisierter N-Dünger, …) wie in der Abbildung dargestellt in verschiedenen Zeitfenstern entnehmen. Dabei muss außerdem für Transport und Analyse ein entsprechendes Zeitfenster berücksichtigt werden.

Mittlerweile liegen im Reinheimer Hügelland die ersten Ergebnisse für Sommerungen vor. Wer Sommergetreide anbaut, kann sich an den Werten zu Zuckerrüben orientieren.

Da im Reinheimer Hügelland vorzugsweise Lössstandorte beprobt werden, werden andere, meist durch Stauwasser beeinflusste Flächen separat ausgewertet. Der Stichprobenumfang ist klein, trotzdem ist gut zu erkennen, dass die Ergebnisse deutlich höher sind als unter den Lössstandorten. (Hier ist der Begriff humos bitte nicht mit der Definition in der DBE gleichzusetzen, da Humusgehalte > 4 % nicht erreicht werden.)

Die mittleren Nmin-Werte zu den Hackfrüchten unterscheiden sich nur wenig. Die Spanne zwischen den niedrigen und den hohen Nmin-Werten wird meist vom Einarbeitungstermin der Zwischenfrüchte beeinflusst. Bei zeitiger Einarbeitung werden höhere Nmin-Werte nachgewiesen als bei späterer Einarbeitung. Zunehmend wird auch in unserer Region früher eingearbeitet, weil durch die milderen Winter ein Abfrieren nicht mehr gewährleistet ist. Aber muss denn wirklich im Januar eingearbeitet werden? Reicht es nicht, wenn ggfs. mit der Messerwalze durchgeschnitten wird? Der Einsatz der Messerwalze belässt eine Mulchschicht auf dem Acker, die Erosion und Verschlämmung verhindert. Das Material kann so gut vorrotten und dient zudem den Regenwürmern als Nahrung. Bei der späteren Einarbeitung werden durch die Vorrotte positive Mikroorganismen gefördert, es kommt nicht zur Fäulnisbildung.

 

Für Zuckerrüben und Mais wurden je nach Ertragserwartung und Schlaghistorie einzelschlagbezogene Düngeempfehlungen zwischen 0 und >140 kg N/ha errechnet. Dabei muss jede/r Betriebsleiter/in darauf achten, dass in den roten Gebieten die 20%-Kürzung im Mittel der bewirtschafteten Flächen eingehalten wird. Wir haben daher für solche Flächen auch die jeweiligen DBE nach DÜV errechnet und verschickt. – In unseren Düngeempfehlungen schätzen wir sehr differenziert in Abhängigkeit von Betrieb, Fläche und Hauptfrucht das Mineralisierungspotenzial ein. Hackfrüchte können aufgrund des späteren Erntetermins sehr gut den bodenbürtigen Stickstoff verwerten. Hier sind N-Nachlieferungen zwischen 20-40 kg N/ha realistisch und müssen in die Düngeplanung miteinbezogen werden. Auch für organische Dünger gelten derzeit in Wasserschutzgebieten besondere Anrechnungen des Gesamt-N-Anteils, die sich sehr wohl bewährt haben:

 

Rindergülle, Gärsubstrat:                   60% z. HF, 20% z. FF

Schweinegülle:                                      70% z. HF, 20% z. FF

Stallmist:                                               40% z. HF, 30% z. FF

Geflügelmist, -trockenkot:                 60% z. HF, 20% z. FF

Kompost:                                               35% z. HF, 25% z. FF

 

Bitte handeln Sie nicht nach der Maßgabe, „was nicht verboten ist, ist erlaubt“. Die DÜV lässt durchaus die Ausbringung verschiedener organischer Dünger zur Hauptfrucht zu. Aber: die Nmin-Ergebnisse im Herbst zeigen immer wieder, dass Stallmist/Kompost + Gülle/GS zu Mais oder Z.Rüben in der Regel zu hohen bis höchsten Nmin-Werten führen.  Vermeiden Sie diese Kombinationen, bringen Sie den Mist mit Exaktstreuern ins Getreide aus oder legen Sie im Frühjahr ein Zwischenlager auf dem Feld an. Der gelagerte und gut verrottete Mist kann optimal zur Zwischenfrucht ausgebracht werden. Wir stehen Ihnen gerne dabei beratend zur Verfügung. – Verwenden Sie keine Nitrifikationshemmer, wenn Mist oder Kompost gefahren wurde oder die Zwischenfrucht sehr spät eingearbeitet wurde, ansonsten ist die verspätete Nachlieferung vorprogrammiert.

 

Wir wünschen Ihnen gutes Wetter und viel Erfolg für die anstehenden Feldarbeiten! Bleiben Sie gesund!

 

Aktuelle N-min-Werte im Reinheimer Hügelland – Stand 23. Februar 21

Geschrieben am 23.02.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Die unten stehende Tabelle kann für die Düngeberechnung verwendet werden. Sie wird bei Vorliegen weiterer Werte zeitnah aktualisiert.

Hinweise zur Rapsdüngung

Geschrieben am 16.02.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Gute Nährstoffversorgung der Rapsbestände durch gute Vorwinter-Aufnahmen

Der bisherige milde Winter mit wenigen Frosttagen hat dazu geführt, dass es auf den Rapsschlägen kaum zu Pflanzenverlusten kam. Überfahrten mit dem N-Sensor am 24./25. November zeigten, dass auf den meisten Flächen gleichmäßige und kräftige Bestände stehen. Auffallend gut präsentieren sich Bestände, die im Einzelkornsaatverfahren ausgesät wurden.

Von den 29 gescannten Beständen wiesen nur 3 Flächen N-Aufnahmen  < 50 kg N/ha im Herbst auf. Im Mittel haben die gescannten Bestände 74 kg N/ha aufgenommen.

Somit liegt die mittlere Herbst-N-Aufnahme über dem Basiswert von 50 kg N/ha. In diesem Falle kann die Differenz zwischen N-Aufnahme und Basiswert zu 70 % angerechnet werden und von der 1. N-Gabe im Frühjahr abgezogen werden.

 

Die Nmin-Werte von bislang 7 beprobten Rapsflächen liegen in 0-90 cm  zwischen 13 und 42 kg NO3-N/ha und betragen im Mittel 27 kg NO3-N/ha. In Abhängigkeit von der Ertragserwartung wird daher  eine Stickstoffdüngung von ca. 150 kg N/ha meist ausreichend sein und in der Regel auch der DBE entsprechen.

Bitte beachten Sie, dass für die Ertragserwartung ein fünf-jähriger Durchschnittswert herangezogen werden muss. Sofern eine Abweichung > 20 % zum Vorjahr besteht, kann dieses Jahr gestrichen werden und statt dessen der Vorjahreswert gedopplet werden.

Bitte beachten Sie, dass die organische Düngung des Vorjahres ist mit 20 % des N-Gehaltes zu berücksichtigen ist (Gülle/Gärrest). Bei einer Herbstgabe von 60 kg Gesamt-N somit 12 kg N.

Auch wenn der N-Düngebedarf gefühlt niedrig erscheint, so hat das vergangene Jahr doch gezeigt, dass Erträge von mehr als 50 dt/ha auch mit N-Mengen (Frühjahr) < 150 kg N/ha realisiert werden konnten. Entscheidend ist beim Raps eine gute Vorwinteraufnahme und eine gute Schädlingskontrolle. Lassen Sie sich nicht beunruhigen: Langjährige amtliche Düngungsversuche haben bislang immer bestätigt, dass erst ab einem Düngungsunterschied von 50 kg N/ha die Einflüsse der Düngungsmenge sich statistisch absichern lassen.

Auch wenn es in den kommenden Tagen zu Blatt- oder Pflanzenverlusten durch Frost kommen sollte, sind die Wurzelhälse kräftig genug, um einen ausreichenden Wiederaustrieb zu gewährleisten, sofern die Vegetationskegel nicht geschädigt werden.

Die Verwendung nitrathaltiger Dünger im Raps führt meist dazu, dass die Pflanzen zu sehr ins Kraut gehen. Eine ammoniumbetonte Düngung hat sich im Raps bewährt. Allerdings sollten schwach entwickelte Bestände mit 20-30 kg NO3-N/ha angeschoben werden.

Schnellwirkende Stickstoffdünger sind weiterhin angebracht, sofern der Frühjahrs Nmin < 20 kg /ha in 0-90 cm beträgt sowie bei stark ausgekühlten Böden oder einem verspäteten Düngungstermin . Ein später Vegetationsbeginn und das absolute Aufbringungsverbot von Düngern auf gefrorenem Boden verlagern möglicherweise die erst N Gabe.

Falls die Düngung mit stabilisiertem N-Dünger geplant ist, sollte die Gabe einmalig bei Befahrbarkeit und frostfreiem Boden erfolgen!

Für Fragen oder zur Erstellung von Streukarten stehen wir gerne zur Verfügung!

Diesen Rundbrief können Sie als pdf-Datei herunterladen: Hinweise zur Rapsdüngung