Nachernte-Nmin: Ergebnisse – Zwischenfrüchte: Should I stay or should I go…? – Säen oder Warten?

Geschrieben am 16.08.2022 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

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Nachernte Nmin

50 Ackerflächen wurden im Zeitraum 30. Juni -27. Juli beprobt. Wegen der Trockenheit nur in der Bodenschicht 0-60 cm. Die Ergebnisse unter Weizen im Oberboden sind höher als in den Vorjahren.
Ursachen können sein:

  • N-Mineralisierung infolge höherer Bodentemperaturen
  • Minderertrag durch Trockenheit und Hitze
  • zuviel gedüngt

 

Mit Befeuchtung der Böden ist mit einer weiteren erheblichen Mineralisation zu rechnen, so dass für Zwischenfrüchte v.a. nach Weizen, aber auch auf vielen Rapsflächen im „roten Gebiet“ auskömmliche Stickstoffreserven im Boden vorliegen. Außerhalb der roten Gebiete kann zur Zwischenfrucht eine angepasste N – Düngung erfolgen.

 Zwischenfrüchte

Nur selten ist eine Antwort auf die Frage „Wann säen wir die Zwischenfrucht?“ schwerer gefallen. Grundsätzlich aber gilt: Nur was gesät wurde, kann auch auflaufen!

Für die KW 33 sind Niederschläge gemeldet. Wieviel Regen dann tatsächlich kommt bleibt abzuwarten. Allerdings sollten die Flächen so gut wie möglich auf die erwarteten Niederschläge vorbereitet werden, damit für die anstehende Aussaat von Zwischenfrüchten oder Raps keine Zeit verloren geht und die Bodenfeuchte optimal genutzt werden kann.

Aktuell ist der Oberboden mehrheitlich fast vollständig ausgetrocknet. Zur Bestimmung der Bodenfeuchte im Oberboden wurden von uns zwei Flächen beprobt (0-25 cm). Die Unterschiede zwischen den Flächen waren marginal. Mit einem Wassergehalt von durchschnittlich 8 % H2O im Oberboden ist es viel zu trocken!

Erhebliche Unterschiede bestehen bei den Bodentemperaturen in Abhängigkeit vom Bedeckungsgrad des Bodens und der jeweiligen Bodentiefe.  Erwartungsgemäß werden bei einem unbedeckten Boden an der Bodenoberfläche höhere Temperaturen gemessen als bei einem bedecktem Boden. Die fehlende Bedeckung führt allerdings auch zu einem größeren Temperaturanstieg in der tieferen Bodenschicht als beim bedeckten Boden.  Zur Info: Bodentemperaturen von 20° C führen bei ausreichender Feuchtigkeit zu einer täglichen Freisetzung von 2 kg N/ha aus der organischen Substanz. Das heißt, es ist im Herbst mit erheblichen Nmin-Werten zu rechnen, die allein auf die derzeitigen Wetterextreme zurückzuführen sind.

Aber auch die Regenverdaulichkeit wird massiv von dem Bedeckungsgrad beeinflusst. Ein unbedeckter Boden kann nicht so viel Wasser aufnehmen wie ein bedeckter.  In einer Zeit, in der Hitzegewitter und Starkregen anstelle der gewünschten Landregen entstehen, ist das von erheblicher Bedeutung.

Wir haben in der letzten Woche auf zwei benachbarten Schlägen mit vergleichbaren Bodenverhältnissen einige Beobachtungen gemacht, die in der Tabelle aufgeführt sind.

Besonders spannend war das Ergebnis des Sickerungstest. Die Fläche mit Strohmulch und Untersaat konnte einen simulierten Starkregen von 40 l/qm innerhalb einer  1/2 Minute in den Boden ableiten, während der offene  Boden nahezu 5 Minuten dazu benötigte. 5 Minuten in denen bei entsprechende Hangneigung dass Wasser mitsamt Bodenpartikel hangabwärts fließen kann.

Bodenbedeckung reduziert das Aufheizen der Böden und minimiert die Erosionsgefahr!

Sobald Stroh abgefahren wurde bzw. die Fläche bearbeitbar ist, muss zeitig eine Zwischenfrucht etabliert werden. Wo dies unmittelbar nach der Ernte nicht möglich ist, sollte Vorsaattechniken oder Untersaaten in Betracht gezogen werden. In WSG-Kooperationen werden diese Techniken in der Regel vom Wasserversorger gefördert! Nur bei der konkurrenzstarken WGerste empfiehlt es sich, das Ausfallgetreide auflaufen zu lassen.

Für alle anstehenden Arbeiten wünschen wir gutes Gelingen und reibungslose Abläufe!

Bei Fragen setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung

Das AGGL-Team

Nach der Ernte ist vor der Ernte

Geschrieben am 25.07.2022 | Kategorie(n) Allgemein, Beiträge

Stoppelbearbeitung

Die Erntearbeiten gehen zügig voran, nur kurz unterbrochen von den herbeigesehnten Regenfällen Mitte der Woche.

Auch wenn teilweise bis zu 25 l/qm gefallen sind ist das doch nur ein „Tropgen auf den heißen Stein“. Nachernteproben in der Schicht 0-30 cm im Odenwald ergaben am Dienstag (vor dem Regen), dass nur noch 2-3 % Bodenfeuchte im Oberboden vorhanden sind. Unter trockenen Bedingungen sollte die Stoppelbearbeitung möglichst flach erfolgen. Wer Strukturschäden unterhalb der Bearbeitungshorizontes feststellt, kann auch eine Tiefenlockerung durchführen. Danach muss unmittelbar eine Aussaat erfolgen! Eine Stabilisierung der geschaffenen Makroporen kann nur durch Lebendverbauung erfolgen. Für eine erfolgreiche Lebendverbauung brauchen wir junge Pflanzen in der Wachstumsphase, die ihre Assimilate über das Wurzelwerk in den Boden bringen. Die Pflanzen stabilisieren durch ihre Wurzeln und viel wichtiger noch, durch die Bodenbiologie, die die Wurzeln umgeben. Nur so gelingt Bodenaufbau.

Futterzwischenfrüchte

Da wir noch früh im Jahr sind und Futterengpässe bei den Futterbaubetrieben sich abzeichnen, können auf tiefgründigeren Standorten oder bei besseren/nasseren Witterungsaussichten Futterzwischenfrüchte oder Zweitfrüchte angebaut werden. Eine im August gesäte Sommertriticale kann noch als Ganzpflanzensilage genutzt werden. Körnerhirse eignen sich nur für Biogasanlagen, da sie Blausäure enthalten und nicht für die Fütterung geeignet sind. Sofern eine Nutzung im Herbst stattfinden soll, muss eine reguläre Düngebedarfsermittlung vor der Ausbringung von N- oder P-haltigen Düngern durchgeführt werden. Bitte sprechen Sie uns auf Nmin-Referenzwerte aus Nacherntebeprobungen an. Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe der Woche die ersten Ergebnisse erhalten. Auch Greening-Zwischenfrüchte dürfen dieses Jahr für die Fütterung genutzt werden, wobei alle anderen Vorschriften für den Anbau von Greening-Zwischenfrüchten weiterhin gültig sind.

Strohmanagement

Sofern das Stroh nicht abgefahren wird und auf der Fläche verbleibt, muss das Häckselgut gleichmäßig und sorgfältig verteilt werden! Für die Strohrotte sollte der Mähdrescher das Stroh nicht nur kurz häckseln, sondern auch auffasern. Damit wird den Mikroorganismen eine bessere Angriffsfläche geboten. Die Strohzersetzung erfolgt vorrangig durch Pilze und Bakterien und ist abhängig vom C/N-Verhältnis im Stroh. Der Einsatz von Halmverkürzern, aber auch Fungiziden kann sich negativ auf den Rotteprozess auswirken. Während Maisstroh ein C/N Verhältnis von 50/1 hat, beträgt es beim Weizen ca. 80/1.  Je niedriger das C/N-Verhältnis ist, desto weniger N wird für die Strohrotte anfänglich immobilisiert! Unabhängig von der N-Fixierung setzt jedoch bei ausreichender Befeuchtung nach ca. 65 Tagen die Umkehr der Immobilisierung ein! Die Zersetzungsgeschwindigkeit verhält sich wie folgt: Maisstroh > Haferstroh > Roggen/Gerstenstroh > Weizenstroh

Zur Strohrotte besteht kein Bedarf an zusätzlichem Stickstoff! Das mag verwundern, denn zu Anfang wird Stickstoff für die Rotte benötigt, nämlich ca.5 kg N/to Stroh, aber:

  • Langjährige Nachernte Nmin Beprobungen belegen, dass nach der Ernte ausreichend–schnell verfügbares Nitrat im Oberboden vorhanden ist!
  • Die Mineralisierung aus der organischen N-Fraktion im Boden nimmt mit der Stoppelbearbeitung explosionsartig zu. Als Faustzahl gilt: 30 kg N/ha je Bearbeitungsgang
  • Bei Mindererträgen in Folge der Trockenheit sorgt der Stickstoffüberschuss entweder für ein engeres C/N-Verhältnis im Stroh oder er befindet sich noch im Boden, was den Aufbau von Bakterienprotein und einer schnellen Rotte fördert.

Zwischenfruchtanbau

Infolge von Klimawandel und zunehmenden Anteil des N-Pools im Boden wird die mögliche Mineralisierung nach der Ernte immer größer. Zwischenfrüchte binden den Stickstoff. Daneben benötigen wir sie zur Verbesserung der Bodenbiologie und zur Beschattung der Fläche. Auch dort wo Gesetzgeber oder Wasserschutzkooperationen den Zwischenfrucht-anbau nicht vorschreiben, sollten brachliegende Flächen ein Anblick sein, der in die Vergangenheit gehört. Landhandel und die Züchterhäuser bieten ein breites Sortiment an Gemengen und Reinsaaten. Für nahezu jeden Termin, jede Fruchtfolge und jede Saattechnik ist etwas dabei.

Nibelungenkorn ist Sieger im DVL-Ideenwettbewerb!

Geschrieben am 02.12.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Vergangene Woche erhielten wir die schöne Nachricht, dass unser Projekt Nibelungenkorn im „DVL-Ideenwettbewerb Modellbetriebe Bioökonomie in den Mittelgebirgen Deutschlands“ von einer 12-köpfigen, hochkarätigen Jury zum Sieger in der Kategorie „Wertschöpfungsketten/Kooperation“ erklärt worden ist.
Wichtige Kriterien bei der Auswahl waren die Aspekte Innovation, Wertschöpfung für die Region, Wirtschaftlichkeit, Ausbaupotential, Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Schutz von Umwelt, Biodiversität und Klima.
Wir sind sehr stolz auf das, was wir in Zusammenarbeit mit den anbauenden Landwirten, der Herrnmühle Reichelsheim und den weiterverarbeitenden Bäckern erreicht haben.
Die Siegerehrung sollte auf der Grünen Woche in Berlin stattfinden, die ja leider ausfällt. Wir informieren hier, wie es weitergeht.

Informationen zum Wettbewerb auf: Wettbewerb: DVL Ideenwettbewerb Bioökonomie in Mittelgebirgen

Glyphosatverbot in Wasserschutzgebieten

Geschrieben am 16.09.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Seit dem 8. September gilt ein generelles Anwendungsverbot von Glyphosat in Wasserschutzgebieten sowie in Heilquellenschutzgebieten und besonderen Zonen in Biosphärenreservaten.

Außerhalb dieser Gebiete kann im Einzelfall auf Ackerflächen in Abhängigkeit von der Bodenbearbeitung und Erosionsgefährdung nach der Ernte bis zur Saat eine Anwendung erfolgen:

  • Bei Mulch- oder Direktsaat ist die Glyphosatanwendung auf Ackerflächen erlaubt!
  • Bei Pflugsaat ist die Glyphosatanwendung nur auf erosionsgefährdeten Standorten (CC-Wasser1 und 2) erlaubt. Auf nichterosionsgefährdeten Standorten ist bei Pflugsaat nur eine teilflächenspezifische Behandlung erlaubt, wenn bestimmte Problemunkräuter (z.B. Ackerkratzdistel, Ampfer, Quecke, …) bekämpft werden sollen.

Außerhalb dieser Gebiete darf auf Grünlandflächen Glyphosat nur auf Teilflächen eingesetzt werden, zur

  • Neuansaat auf erosionsgefährdeten Standorten oder Flächen, wo der Pflugeinsatz verboten ist,
  • Grünlanderneuerung bei Problemunkräutern/Giftpflanzen (z.B. Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, …)

Eine Anwendung zur Sikkation ist prinzipiell überall verboten! 

Anwendung im Einzelfall bedeutet, dass zuvor alle anderen Maßnahmen des integrierten Pflanzenschutzes und Alternativen beim Anbau geprüft wurden.  Eine gute Dokumentation ist dabei unerlässlich. Im Zweifelsfall sollte eine Rücksprache beim LLH und dem zuständigen Landwirtschaftsamt erfolgen!

Im Haus- und Kleingartenbereich sowie auf öffentlichen Flächen ist die Anwendung glyphosathaltiger PSM ab 8. September verboten. Mittel, für die noch bestandskräftige Zulassungen für diese Anwendungsbereiche bestehen, dürfen noch verwendet werden.

Silomais: Ergebnisse des Abreifemonitorings (13. Sept.)

Geschrieben am | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Die Ergebnisse des Abreifemonitorings vom 13.09. zeigen, dass die Trockensubstanzgehalte (TS) der Restpflanzen seit der letzten Beprobung nicht zugenommen, eher sogar abgenommen haben. Die Abnahme der TS an manchen Standorten kann durch vorherigen Regen am Wochenende, Tau am Morgen oder auch durch natürliche Streuung verursacht sein. Die Kolben-TS hat hingegen an allen Standorten zugenommen. Lässt man den sehr spät gesäten Sunshinos außen vor (sehr starke Veränderung zur Vorwoche, nicht repräsentativ), ergeben sich Zunahmen von 2 bis 8 Prozent Kolben-TS, die Stärkeeinlagerung (Ziel: 55 % Kolben-TS) ist aber noch nicht beendet. In den wärmeren Lagen wird dies voraussichtlich Mitte bis Ende der kommenden Woche der Fall sein. Der Trockensubstanzgehalt der Gesamtpflanze sollte zur Ernte nicht unter 30 % liegen. Bei hohen Kolbenanteilen (siehe Fax 20/2021) sollten sogar deutlich höhere TS-Gehalte angestrebt werden.

Probeerfassung AGGL Otzberg 06162-94352-13 in Zusammenarbeit mit LLH Griesheim