Informationen aus der Landwirtschaft – Januar

Geschrieben am 18.01.2021 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Die Landwirtschaft und der Biber
Der Biber ist unser größtes heimisches Nagetier. Wegen intensiver Bejagung wurde er im 19. Jahrhundert in großen Teilen Europas und Deutschland fast ausgerottet. Durch Schutzmaßnahmen und gezielte Auswilderung ist der Biber wieder an unseren Gewässern zurück und verändert seither Bäche, Flüsse und das Landschaftsbild.  Der Lebensraum des bis zu 30 kg schweren Vegetariers ist das Wasser – daran ist er optimal angepasst. Mit seinen „Bauwerken“, den Biberdämmen staut und „renaturiert“ der Biber unsere Gewässer und schafft so Retentionsflächen und neue Lebensräume für sich und andere Tierarten.

Und genau hier beginnt auch der Konflikt mit der Landwirtschaft!

Mit den Dämmen halten die Biber den Wasserstand auf gleichem Niveau und sorgen so dafür, dass die Eingänge zu den Biberburgen stets unter Wasser liegen. Die davor liegende landwirtschaftliche Nutzfläche allerdings erleidet häufig größere Schäden. Durch Überflutung und Staunässe, wenn auch nur temporär, wird eine Befahrbarkeit häufig unmöglich und die angebauten Kulturen leiden. Im schlimmsten Fall erholen sich die Feldfrüchte gar nicht mehr. Das führt zu Flächenverlust und Ertragseinbußen, die im Falle von Futterflächen nicht so leicht zu ersetzen sind. Hier ist guter Rat teuer – unerlaubte Übergriffe auf das Tier und seinen Lebensraum aber noch teurer!

Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Unberechtigtes Fangen, Verletzten oder Töten des Tieres sowie die unberechtigte Zerstörung oder Beschädigung der „Biberburg“ werden in Hessen mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro belegt.

Damit eine einigermaßen friedliche „Koexistenz“ von Biber und Landwirtschaft im „gleichen Revier“ möglich ist, sind in begrenztem Umfang Maßnahmen möglich. Dazu bedarf es Sachverstand und unbedingt der Rücksprache und Genehmigung durch die Obere Naturschutzbehörde! Der eigenmächtige und unerlaubte Rückbau von einem Biberdamm ist nicht nur verboten – er bringt auch nichts. Die Biberfamilie baut den Damm in einer Nacht mühelos wieder auf.

Um das zu verstehen, lohnt es sich etwas mit der Lebensweise der Biber vertraut zu machen. Biber leben im Familienverbund. Die Elterntiere und zwei Generationen von Jungtieren. Der Familienverbund lebt in der „Biberburg“. Ein trockener, warmer Rückzugsort. Der Eingang zu diesen „Wohnungen“ liegt immer unter Wasser! Die Größe des Reviers einer Biberfamilie ist vom Nahrungsangebot abhängig. Im Sommer Wurzeln, Blätter und Pflanzen – im Winter am liebsten die Rinde von weichen Gehölzen. Biber halten keinen Winterschlaf. In den Wintermonaten ist die Paarungszeit! Die Elterntiere bleiben lebenslang zusammen und bekommen nach einer Tragezeit von etwa 106 Tagen bis zu vier Jungtiere. Diese verlassen die Biberburg, wenn sie im Alter von zwei bis drei Jahren geschlechtsreif werden, um in einem neuen Revier eine eigene Familie zu gründen.

Was aber bleibt zu tun, wenn eigene Flächen durch Überschwemmung durch den Biber betroffen sind? Als erstes nehmen Sie bitte Kontakt mit den Behörden auf!

Der zuständige „Wildtierkonfliktmanager“ beim Regierungspräsidium Darmstadt Ulrich Götz-Heimberger (Telefon: 06151-126381) kann nach einem Vor-Ort Termin Maßnahmen wie dem gezielten Absenken eines Dammes oder dem Einbau eines Drainagerohres im Damm zustimmen. Auf Kreisebene finden sie die Ansprechpartner*innen bei den Unteren Naturschutzbehörden. Bitte beteiligen Sie sich am Biber-Monitoring und melden Sie Biberdämme.

Der Biber ist an unseren Gewässern zurück und es müssen die bestmöglichen Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden.