Rundbrief – 13. Mai, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 15.05.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Die 40 mm Niederschlag vom 10. bis 11 Mai taten allen Kulturen gut.

Nitracheckmessungen im Bestand zeigen, dass der Bedarf weiter deutlich zurückgeht. Die Messungen in dieser Woche zeigen weiterhin einen deutlichen Rückgang. Im Schnitt liegen die Bedarfswerte jetzt um 15 – 20 kg N/ha geringer als bei den letzten Messungen vor 14 Tage. Auf einigen Standorten wurde schon eine vorgezogene Spätdüngung zum Weizen ausgebracht. Sofern der Pflanzenbestand über eine ausreichende Triebzahl verfügt, ist eine vorgezogene Spätdüngung in Anbetracht der unsicheren Witterung auch sicherer. Wo die Triebzahl nicht ausreicht, muss auf jeden Fall die Spätdüngung reduziert werden.

Bei Stoppelweizen, aber auch bei Weizen nach Kartoffeln oder Mais wird je nach Standort einen Bedarf zwischen 0-40 kg N/ha gemessen. Rübenweizen zeigt die größte Schwankungsbreite im N-Bedarf mit 0-70 kg N/ha. Ausgedünnte Bestände, die in der Entwicklung zurück geblieben sind, haben oft deutlich höhere N-Gehalte im Presssaft (Aufkonzentration). Im Oberboden sind in der Regel 20 kg NO3-N/ha in 0-30 cm zu finden. Die darunter liegenden Schichten enthalten auch Stickstoff und der Boden mineralisert infolge zunehmender Erwärmung N aus der organischen Substanz. Dies sollte bei der Bemessung der Spätdüngung noch berücksichtigt werden.

Wie unterschiedlich die Ergebnisse trotz gleicher Vorfrucht und vergleichbaren Frühjahrs-Nmin (42 kg NO3-N/ha in 0-90 cm Boden) sind, zeigt die folgende Grafik, in der der N-Bedarf von drei Weizen nach Vorfrucht Zuckerrüben in Roßdorf zu sehen ist.

Grafik Nitracheck_2020_05-14

Schlag RD 1 wurde mit Gärsubstrat angedüngt, die zweite Gabe erfolgte mit Alzon. Der Stickstoff wirkt bis Ende April kaum. Erst nach den Niederschlägen um den 1. Mai findet eine spürbare N-Aufnahme statt. Schlag RD 2 mit Stabilo N gedüngt startet ebenfalls verhalten. Nach dem 20. April (Ende der kalten Nächte) findet eine größere N-Aufnahme statt. Schlag RD 3 wurde zunächst mit dem schnell wirksamen SSA angedüngt, welches auch schnell aufgenommen wurde. Das nur wenig später ausgebrachte Gärsubstrat sowie das im April ausgebrachte Alzon benötigten ebenfalls die Niederschläge vom Maianfang um Wirkung zu zeigen.

Bei vielen dünnen Getreidebeständen kommt es aufgrund der geringen Beschattung zur weiteren Verunkrautung. Bitte kontrollieren Sie die Bestände. Besonders problematisch wird es, wenn resistente Weidelgräser oder Ackerfuchsschwanz sich ausbreiten. Hier ist zu erwägen, ob vergraste (Teil-) Flächen abgemulcht oder als GPS genutzt werden kann. Auf keinen Fall dürfen resistente Ungräser zur Samenausbildung kommen. Die Samen können mehrere Jahre im Boden überdauern. Sofern Teilflächen abgemulcht werden, muss einige Zeit danach evtl ein zweiter Mulchgang erfolgen, da Seitentriebe erst mit Verzögerung (ca. 2-3 Wochen später) zur Blüte kommen. Geschickter ist es die Pflanzen als GPS zu nutzen, besonders, wenn es sich um resistente Weidelgräser handelt. Gemäht werden sollte spätestens mit Blühbeginn der Weidelgräser, damit sich keine Samen bilden.

Achten Sie darauf, dass ggfs der Flächenantrag geändert werden muss.

Vom Weidelgras zum Grünland: Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Dauergrünland der 1. Schnitt eingefahren wurde, bietet es sich jetzt an Gülle/Gärsubstrat auf die Flächen zu fahren. Nach dem 1. Schnitt bietet es sich an Nachsaaten auf dem Grünland durchzuführen. Wichtig ist es, die Narbe zuvor mit dem Striegel aufzulockern und besonders die Gemeine Rispe herauszustriegeln, damit das Saatgut überhaupt in Bodenkontakt kommt und genügend Licht erhält. Uneingeschränkt nachsaatwürdig ist das Deutsche Weildegras. Auf trockeneren Standorten bietet sich die Zumischung von Weißklee, bei reiner Schnittnutzung und je nach pH-Wert auch Rotklee oder Luzerne an. Auf Pferdeweiden kann versucht werden Rotschwingel mit einzusäen. Allerdings ist dann der Einsatz einer Nachsaatmaschine nötig. Auf keinen Fall darf auf Dauergrünland Welsches oder Einjähriges Weidelgras nachgesät werden. Dies sind Ackerfuttergräser, sie verdrängen schnell die wertvollen Grünlandgräser und mindern durch ihre schnelle Entwicklung die Nutzungselastizität. Sie altern schneller und verringern den Futterwert.

Rundbrief – 7. Mai 2020, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 07.05.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

In unserer Region sind zwischen dem 28. April und dem 5. Mai 20-35 mm Niederschlag gefallen. Es war nicht die Menge, hat aber gereicht, um ein deutliches Ergrünen zu bewirken. Aber nicht nur die Kulturen atmen durch, sondern auch die Unkräuter. Zum Wochenende, sollte Mais entsprechend kontrolliert und behandelt werden.

Nitracheckmessungen im Bestand zeigen, dass der N- Bedarf deutlich zurückgegangen ist. Jetzt wirken die Düngungsgaben und der Boden liefert bei Bodentemperaturen zwischen 12-14 ° C Stickstoff aus der organische Substanz nach. Wir haben im Zuge der Nitracheckuntersuchungen von einigen Flächen wieder Bodenproben aus der Schicht 0-30 cm entnommen. Von 19 Flächen im Reinheimer Hügelland liegen die Nmin-Werte im Oberboden zu 75 % in einem Bereich zwischen 30 – 35 kg NO3-N/ha. Auf einigen Standorten je nach Vorfrucht und Einsatz organischer Düngemittel aber auch deutlich darüber. Außerhalb der Gunststandorte sind die Werte meist in einem Bereich um 20 kg Nmin im Oberboden (6 Flächen). Da auch in den unteren Bodenschichten Stickstoff vorhanden ist, sollte die weitere Entwicklung zunächst abgewartet werden, bevor man sich Gedanken über eine Spätdüngung macht.

Noch einen wichtigen Aspekt liefern die Bodenproben, nämlich die Beurteilung der Bodenfeuchte. Auf tiefgründigen Standorten mit mehr als 65 BP konnten wir bei der Feststellung der TS des Bodens einen Feuchtegrad von 15-20 % ermitteln. Auf Standorten mit geringerer Wasserspeicherfähigkeit lagen die Feuchtegrade unter 10 %. Die Anzahl der Triebe betrug dort z.T. nur 1,2/Pflanze. Ohne Wasser passiert hier gar nichts mehr.

Für vitale Bestände hat jetzt oberste Priorität die letzten Blattetagen gesund zu erhalten. Weizen ist jetzt überwiegend im Stadium EC34/37 bzw. F-1. Nachdem in den letzten Wochen Pilzbefall aufgrund der Witterung kaum eine Rolle gespielt hat, muss jetzt kontrolliert werden.

Ab der kommenden Woche mit Erscheinen des Fahnenblattes sollten dann

  •  die Anzahl ährentragender Halme überprüft werden. Gerade auf leichteren Standorten muss die Ertragserwartung aufgrund zu geringer Bestandesdichte nach unten korrigiert werden,
  • das Wurzelwachstum kontrolliert werden– sind die Wurzeln tief genug, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten?
  • berechnet werden, ob abzüglich der bisherigen Düngergaben und nach Korrektur der Ertragserwartung überhaupt noch ein Düngungsbedarf gegeben ist.

Dann sollte eine Nitracheck- oder Chlorophyllmessung an der Pflanze durchgeführt werden. Wenn zu vermuten ist, dass eine hohe N- Nachlieferung aus der organischen Substanz des Bodens erfolgt, dann sollte auch eine Nmin-Schnellanalyse des Oberbodens erfolgen, um im Stadium 39 ggf. handlungsfähig zu sein.

Bohrstock 0-30 cm

Bodentemperatur

Rundbrief – 30. April 2020, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 30.04.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Es hat endlich geregnet. Bis zum Regen war das Wachstum nur sehr verhalten. Der bislang ausgebrachte Dünger wurde je nach Düngungstermin und -form nur verhalten aufgenommen und umgesetzt. Aufgrund der Trockenheit gab es bislang auch keine nennenswerte Nachlieferung aus dem Boden. Das ändert sich jetzt. Der Niederschlag der letzten Tage (seit 28. April) in Verbindung mit Bodentemperaturen um 14 °C wird zu einem erheblichen Mineralisierungsschub führen. Nitrat aus mineralischer Düngung, das wegen der Trockenheit nicht von den Wurzeln aufgenommen wurde, kann jetzt wirken. Um einen groben Überblick zu erhalten, wurden heute Bodenproben aus dem Oberboden bis 30 cm entnommen und per Nitracheck analysiert. Üblicherweise kann man bei diesem Verfahren einen Fehlerwert bis zu 20 % unterstellen, aber selbst wenn die Fehlerrate deutlich höher wäre, bleibt doch festzustellen, dass der Nmin-Wert in der Krume beträchtlich ist:

Kultur Nmin (0-90 cm)(Vegbeginn) bisher gedüngt Nmin (0-30 cm)(30.04.2020)
Weizen (nach Kartoffel) 47 kg NO3-N/ha 123 kg N/ha > 150 kg NO3-N/ha
Weizen (nach Erbsen) 38 kg NO3-N/ha 93 kg N/ha 80 kg NO3-N/ha

 

Fazit: für diese Schläge reicht der Stickstoff-Vorrat im Oberboden aus.

Je nach Standort werden auf guten Standorten (Löss, ca. 70 BP) je nach Sorte beim Winterweizen 500-700 ährentragende Halme angestrebt. Ob dieser Ährenbestand erreicht werden kann, lässt sich gerade jetzt durch Auszählen leicht ermitteln. Wenn die Triebdichte nicht ausreicht, korrigieren Sie bitte die Ertragserwartung nach unten. Ein hohes TKG kann nur zu einem geringen Teil den Ertragsausfall kompensieren und das auch nur wenn die Witterung stimmt. Die dazu benötigte langsame Abreife bei feucht-kühler Witterung ist bei uns in Südhessen leider nur ein schöner Traum.

Wasserhaltevermögen und Bestandesdichte

Wasserhaltevermögen und Bestandesdichte

 

Halten Sie sich mit der Spätdüngung zurück!

Behalten Sie die Übersicht, indem Sie Pflanzen- und gerne auch Bodenmaterial zur Schnellanalyse bringen oder abholen lassen!

Kontaktieren Sie uns (Tel. 06162-9435210), wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!

Ihr AGGL-Team

Rundbrief – 23. April 2020, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 23.04.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Klick auf die Grafiken/Bilder zum anschauen! Der gesamte Beitrag als pdf zum Download: 2020_04-23-Rundbrief

Getreide:

Noch immer kein richtiges Wachstum, es ist viel zu trocken! Wir haben zwar noch einige Nitracheckmessungen gemacht, aber die N-Aufnahme bewegt sich zwischen Null und minimal. Bis zum nächsten Regen werden daher die Messungen eingestellt.Trockenriss im Weizen 2-2020-04-22 Trockenriss im Weizen-2020-04-22

In einigen Weizenbeständen macht sich der erste Gelbrost bemerkbar. Weizen ist in unserer Region im Stadium 32, früh gesäter Weizen erreicht schon Stadium 33.  Gerste schiebt das letzte Blatt.  Damit kann in der Gerste die Abschlussbehandlung gemacht werden. In Anbetracht der derzeitigen Trockenheit mit guter Durchlüftung und bei anhaltendem Ostwind braucht man sich jedoch nicht zu beeilen. Oft wurde wegen der Trockenheit auf den Einsatz von Wachstumsregler verzichtet. Ein Einsatz von Cerone sollte kurz vor dem Ährenschieben der Wintergerste erfolgen.

Noch einmal der Hinweis: Mit den anstehenden Pflanzenschutz- oder Einkürzungsmaßnahmen sollten Sie Spurenelemente ausbringen. Im Getreide sind das besonders Bor, Mangan und Zink. Zink hilft gegen physiologische Blattflecken, die besonders bei strahlungsreichen Tage und gestressten Pflanzen auftreten.  Diese Mikronährstoffe in Verbindung mit Bittersalz stärken die Pflanzen und können helfen, die nächsten trockenen Tage zu überstehen.

Der erste Mais läuft bereits auf, ebenso wie Körnerleguminosen. Körnerleguminosen lassen sich ab 4-5 cm Wuchshöhe auch gut striegeln. Das ist  in diesem Jahr eine gute Option, erst recht da die Bodenherbizide wegen der Trockenheit oft nicht ausreichend wirken.  Allerdings sollten Erbsen nicht mehr gestriegelt werden, wenn sie die ersten Ranken bilden. Planen Sie den Striegeleinsatz möglichst nachmittags, wenn der Turgor nachlässt und die Pflanzen biegsamer sind.

Erosionsschutz:

Im Nachgang zum letzten Rundbrief noch ein schönes Bild zum Erosionsschutz auf einem Rübenschlag.Erosionsschutzstreifen groß-verkleinertErosioschutzstreifen mit ZR

Gerade bei Rüben, Mais und Kartoffeln mit spätem Bestandesschluss ist die Erosionsgefahr besonders groß. Konservierende Bodenbearbeitung nach Zwischenfrüchten ist wichtig zur Erosionsminderung. Nach der Aussaat sollte auf nicht bestellten Rändern am Vorgewende bei den Kartoffeln und auf stark erosionsgefährdeten Standorten im Oberhangbereich, wo Erosion beginnt, möglichst entlang der Hangkonturen ca. 6-9 m breite Streifen mit Wintergerste gesät bzw. ausgestreut werden. Die Wintergerste bestockt sich nur und kann im derzeitigen Langtag keine Ähren bilden.  So kann wirkungsvoll der Erosion begegnet werden.

Es ist viel zu trocken…

Geschrieben am 20.04.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein
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