Frauenspiegel

Geschrieben am 02.08.2019 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Frauenspiegel

Text und Bild Wolfgang Heimer

Ackerwildkräuter sind in Biologie und Lebensraumansprüchen an die Bedingungen des Ackerbaus angepasst. Es handelt es sich um einjährige Pflanzen, die nach der Samenreife als Samen im Boden überwintern können und deshalb durch die Bodenbearbeitung nach der Ernte in ihrer Entwicklung nicht gestört werden. Als ruhende Samen sind viele Ackerwildkrautarten in der Lage, auch längere Zeiträume, gegebenenfalls sogar mehrere Jahrzehnte, im Boden zu überdauern und sich erst dann zur blühenden Pflanze zu entwickeln, wenn die Lebensraumbedingungen ihre Entwicklung zulassen. Mit diesen Eigenschaften haben sich Ackerwildkräuter in der Vergangenheit zu stetigen Begleitern landwirtschaftlicher Ackerkulturen entwickelt. Bedingt durch den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft und hier insbesondere die moderne Saatgutreinigung, wirksame Unkrautbekämpfungsmethoden und die Züchtung leistungsstarker Sorten sind die Entwicklungsmöglichkeiten früher weit verbreiteter Ackerwildkräuter wie Klatschmohn, Kornblume, Frauenspiegel oder Adonisröschen heute stark eingeschränkt.

Der Acker (oder Venus -) Frauenspiegel ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von 10 bis 40 cm. Die Blüten sind gestielt und sitzen in end- und seitenständigen, wenigblütigen Trauben oder Rispen. Die Krone ist ausgebreitet und hat einen Durchmesser von etwa 2 bis 2,5 cm. Sie ist fast bis zum Grunde geteilt, dunkelviolett und außen heller gefärbt. Sie besitzt fünf breite, kurz zugespitzte Zipfel. Die Blüten sind blauviolette „Stieltellerblumen“ mit zentralem weißen Saftmal. Es findet eine reiche Produktion von Nektar statt. Bemerkenswert sind die periodischen Schließbewegungen: Die Blüten öffnen sich morgens und schließen sich spät am Nachmittag. Spontane Selbstbestäubung ist nicht selten. Als Bestäuber wurden Zweiflügler beobachtet. Blütezeit ist von Juni bis August. Die leichten hartschaligen Samen sind Wind- und Tierstreuer, Körnchenflieger; dazu erfolgt eine Menschenausbreitung als Kulturfolger. Fruchtreife ist ab September. Der Frauenspiegel wurzelt bis zu 15 cm tief und ist lichtliebend. Die Blüten zeigen Schlafbewegungen. Er wächst zum Teil unbeständig in Getreidefeldern oder in Weinbergen auf sommerwarmen, mäßig-frischen, nährstoff- und basenreichen, meist kalkhaltigen Lehm- und Tonböden.

Zur Förderung von Ackerwildkräutern machen sich diesbezügliche Angebote des Vertragsnaturschutzes das vielerorts im Boden noch vorhandene Samenpotenzial zu nutze. Landwirte, die sich am Ackerwildkräuterschutz beteiligen, erhalten für den Verzicht auf Unkrautbekämpfungsmaßnahmen und einige weitere Einschränkungen einen finanziellen Ausgleich für die hiermit verbundenen wirtschaftlichen Nachteile. Da eine ausreichende Belichtung der Bodenoberfläche neben dem Verzicht auf die Unkrautbekämpfung eine weitere wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung von Ackerwildkräutern ist, beschränken sich die Maßnahmen zum Schutz der Ackerwildkräuter in der Regel auf mehrere Meter breite Randstreifen geeigneter Flächen. Lediglich auf Ackerflächen mit geringer Ertragskraft ist auch die Bewirtschaftung kompletter Ackerschläge nach den Vorgaben des Ackerwildkräuterschutzes sinnvoll.

Wie können wir dem Frauenspiegel helfen?

  • Verzichten Sie auf ca. 5 m breiten Randstreifen von Getreideäckern auf den Einsatz von Herbiziden
  • Erhalten Sie Erdwege und Wegränder
  • Fragen Sie nach Programmen zur Förderung von Acker-Wildkräutern

Frauenspiegel

 

Informationen aus der Landwirtschaft – August

Geschrieben am | Kategorie(n) Aktuelles

Die Erntearbeiten und Strohbergung werden bis zur Monatsmitte abgeschlossen sein. Für Spitzenerträge fehlte auf den meisten Flächen im Maßnahmenraum auch in diesem Jahr das Wasser.

Jetzt steht die Aussaat von Zwischenfrüchten an! Das Ausfallgetreide sollte zuvor weitgehend aufgelaufen sein, besonders Gerste unterdrückt sonst häufig die Zwischenfrüchte, deshalb kann hier eine intensivere Stoppelbearbeitung notwendig sein. Nach Weizen oder Roggen reicht eine einmalige Bearbeitung aus, auch die Direktsaat von Zwischenfrüchten unmittelbar nach der Ernte ist möglich. Um Wasser zu sparen und Verdunstung zu verhindern sollte eine flache Stoppelbearbeitung erfolgen

Mit dem Anbau geeigneter Zwischenfrüchte wird Reststickstoff aus dem Boden im Aufwuchs konserviert. Zwischenfrüchte lockern enge Fruchtfolgen auf und verhindern durch Bedeckung und Durchwurzelung des Bodens die Erosion. Um möglichst große Aufwuchsmengen zu etablieren ist eine zügige Aussaat der Zwischenfrüchte direkt nach der Ernte von Vorteil. Die Samenreife von Zwischenfrüchten sollte durch den Einsatz von Walze oder Mulcher verhindert werden. Die gesetzlichen Vorgaben beim Anbau von Zwischenfrüchten im Rahmen von Greening, HALM oder Wasserschutzkooperationen sind einzuhalten!

Bis Ende des Monats sollte auch die Rapsaussaat erfolgt sein. Die Ölpflanze braucht eine frühräumende Vorfrucht und fordert eine mindestens dreijährige Anbaupause, d.h. weite Fruchtfolgen, um Pilzerkrankungen vorzubeugen. Außerdem stellen Fruchtfolgen mit Raps besondere Anforderungen an die Auswahl von Zwischenfrüchten. Kruziferen wie der Gelbsenf haben keinen Platz in Fruchtfolgen mit Raps. Die Trockenheit im Vorjahr hatte dazu geführt, dass die Anbaufläche von Raps auf einem fast historisch niedrigem Niveau war. Die Zeichen für eine erfolgreiche Aussaat sind in diesem Jahr deutlich besser. Voraussetzung den erfolgreichen Rapsanbau ist ein gleichmäßiger, optimaler Feldaufgang der Saat und die Bedingungen dafür schaffen Witterung und vor allem Bewirtschaftung und Bearbeitung. Die wichtigsten Punkte sind nachfolgend aufgeführt.

-          kurze Häcksellänge und eine gleichmäßige Spreu- und Strohverteilung

-          rechtzeitig Pflügen – Raps braucht ein gut abgesetztes Saatbett

-          Mulchsaat auf erosionsgefährdeten Standorten

-          ein zu feines Saatbeet birgt die Gefahr der Verschlämmung und Erosion

-          richtige Aussaattiefe

(nicht zu flach < 1 cm Ablagetiefe, nicht zu tief > 3 cm Ablagetiefe)

-          bei Trockenheit Anwalzen, um den Bodenschluss zu verbessern

Die Getreideernte hat begonnen….

Geschrieben am 04.07.2019 | Kategorie(n) Aktuelles

Der Drusch der Wintergerste hat begonnen. Grünlandbetriebe konnten die ersten Schnitte bei meist sehr guter Witterung bergen. Der Juni hatte ausreichend Sonnenstunden um das Heu trocken einzufahren.

Ertragserwartung

Die Erträge im Wintergetreide werden voraussichtlich auch in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück bleiben. In erster Linie ist es Trockenheit, die den Feldfrüchten zu schaffen macht – trockene Aussaatbedingungen im Herbst, ein viel zu trockener April und noch nie, seit Beginn der Wetteraufzeichnung, war ein Juni wärmer und sonniger!

Die wenigen Rapsbestände in diesem Jahr haben unter Schädlingsbefall und Temperaturschwankungen stark gelitten.

Leguminosen

Die grobkörnigen Leguminosen wie Ackerbohne, Erbse und Sojabohne haben sich gut entwickelt. Die Reihensaat bei Sojabohnen ermöglicht eine mechanische Unkrautregulierung.

Sojabohne 2019

Sojabohne 2019

Feld- und Feldrandhygiene

So spät wie möglich und so früh wie nötig! Das Abmulchen der Feldränder ist ein wichtiger Baustein zur Phytohygiene. Aber Feldwege und Raine sind auch wichtige Rückzugsräume für Insekten, Bodenbrüter und Niederwild.

Deshalb bitte Feldwege und Raine für die Dauer der Brut- und Setzzeit unberührt lassen.

Enge, getreidelastige Fruchtfolgen begünstigen die Verbreitung und Vermehrung von Problemungräsern. Mit weiten Fruchtfolgen und dem Wechsel von Sommerung und Winterung bekommt man die Ungräser leichter in den Griff.

Nacherntemanagement

Sofern das Stroh nicht abgefahren wird und auf der Fläche verbleibt muss das Häckselgut gleichmäßig und sorgfältig verteilt werden!

Für die Strohrotte sollte der Mähdrescher das Stroh nicht nur kurz häckseln sondern auch auffasern. Damit wird den Mikroorganismen eine bessere Angriffsfläche geboten. Für den Abbauprozess benötigen die Mikroorganismen zunächst Stickstoff aus dem Bodenvorrat, der im Abbauprozess dem Boden später auch wieder zugeführt wird. Zur Strohrotte besteht kein Bedarf an zusätzlichem Stickstoff!

Je Tonne Stroh werden max. 5 kg N für die Rotte benötigt.

Bei einem Weizenertrag von 8,5 t/ha verbleiben ca. 7 t/ha Stroh auf der Fläche.

Für die Rotte werden 35 kg N/ha benötigt – diese Menge liegt im Boden vor, was mit langjährigen Nachernte Nmin Beprobungen belegt werden kann!

Zwischenfruchtanbau

Zwischenfruchtanbau ist zentraler Bestandteil im Grundwasserschutz. Die Zwischenfrucht sollte so rasch wie möglich nach Ernte der Vorfrucht gesät werden, um die hohen Evaporationsverluste zu begrenzen.

Zwischenfrüchte haben ganz vielfältige Funktionen:

  • Nährstoffspeicher und damit Schutz vor Nährstoffaustrag
  • Erosionsschutz durch Bodenbedeckung und Durchwurzelung
  • Schutz vor Wasserverdunstung durch Bewuchs und Beschattung
  • Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und stabilere Bodengefüge
  • Steigerung der Aktivität der Bodenlebewesen
  • Erweiterung der Fruchtfolge
  • Bekämpfung von Nematoden
  • Ökologische Vorrangfläche

In allen WSG-Kooperationen ist der Anbau von Zwischenfrüchten verpflichtend. Aber auch außerhalb von Wasserschutzgebieten sollte auf Flächen, die im kommenden Jahr mit einer Sommerung bestellt werden, unbedingt der Anbau einer Zwischenfrucht angestrebt werden. Zwischen Winterungen ist der Anbau einer Zwischenfrucht dann lohnend, wenn zwischen Ernte der Hauptfrucht und Aussaat der Folgefrucht mind. 6 Wochen liegen.

Bitte achten Sie auf die gesetzlichen Vorgaben, wenn Zwischenfrüchte im Rahmen von HALM oder zur Erfüllung der Greeningvorgaben angebaut werden.

Düngung und Düngebedarfsermittlung

Jetzt schon die Düngung für das kommende Jahr im Blick behalten. Die Düngung zu Zwischenfrüchten wird der Düngung der Folgefrucht angerechnet.

Die Düngebedarfsermittlung gibt eine klare Stickstoffobergrenze vor.

In Wasserschutzgebieten und in bestehenden Kooperationen gelten davon abweichende Regelungen – die Nachlieferung aus organischen Düngern und Zwischenfrüchten wird abweichend bewertet!

Die Sperrfristen für flüssige Wirtschaftsdünger sind einzuhalten!

Auf Ackerland: Ab Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar des Folgejahres.

Abweichend gilt: bis 30 kg Ammonium N/ha oder 60 kg Gesamt N/ha 

  • zu Winterraps, Zwischenfrucht und Feldfutter (Aussaat bis 15. September)
  • zu Wintergerste (Aussaat bis 1. Oktober) nach Getreide
  • eine Düngung zur Strohrotte ist nicht zulässig

Auf Grünland und mehrjährigem Feldfutter: 1. November bis 31. Januar

Blühstreifen

Durch das Engagement von 40 Landwirten konnten mit Unterstützung von Kommunen, Versorgern und Vereinen 43 Hektar  Blühstreifen angelegt werden!

Blühfläche 2019

Blühfläche 2019

Für die Erntearbeiten 2019 wünschen wir gute Erträge, stabiles Wetter und reibungslose Abläufe! Bei Fragen setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung

Die Wiesenschafstelze

Geschrieben am 07.06.2019 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Text und Bild: Wolfgang Heimer

Die Wiesenschafstelze ist etwas kleiner und schlanker als eine Bachstelze. Beim Männchen sind Kehle, Brust und Bauch leuchtend gelb. Der Oberkopf ist grau und hat einen weißen Überaugenstreif. Rücken und Flügelansatz sind gelblich grün und die Schwungfedern braun mit zwei schmalen hellen Flügelbinden sowie schmalen hellen Federsäumen. Das Weibchen ist unterseits blass gelb gefärbt. Oberkopf, Nacken, Rücken und Schultern sind eher graugrün. Die Jungvögel sind überwiegend graubraun gefärbt.

Die Schafstelze ist Brutvogel offener, gehölzarmer Kulturlandschaften und besiedelt stark zunehmend Ackergebiete, dort vor allem Raps, Getreide, Klee und Hackfrüchte. Im Grünland kommt die Art bevorzugt auf extensiv genutzten Weiden vor. Das Nest ist fast immer auf dem Boden in dichter Kraut- und Grasvegetation gebaut. Gelegentlich kommt es zu kolonieartigen Häufungen von Bruten, gerne im Umfeld von temporär in der Landschaft gelagerten Misthaufen. Das Revier wird vom Männchen besetzt; Nistplatzwahl, Nestbau und Brut übernimmt aber meist das Weibchen. Es kommt zu 1-2 Jahresbruten (Brut- oder Saisonehe) mit meist 5-6 Eiern in der Zeit von Ende April bis Ende Juli. Die Brutdauer beträgt 12-14 Tage, worauf sich eine Nestlingsdauer von 10-13 Tagen anschließt. Mit 14-16 Tagen sind die Jungvögel flügge. Beide Partner füttern den Nachwuchs. Die Nahrung besteht aus kleinen, hauptsächlich fliegenden Insekten, vereinzelt aus Spinnen, kleinen Schnecken und Würmern.

Die Wiesenschafstelze ist ein Langstreckenzieher mit Winterquartieren im tropischen Afrika und Asien. Die Hauptüberwinterungsgebiete der europäischen Brutvögel liegen vor allen in Afrika südlich der Sahara mit Schwerpunkt vom Senegal bis Kenia. Als Durchzügler kommt in Deutschland auch die skandinavische Motacilla [flava] thunbergi (Thunbergschafstelze) vor.

Erst im Laufe der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts haben auch bei uns die Ackerbruten zugenommen. Heute ist die Wiesenschafstelze neben der Feldlerche der zweithäufigste Brutvogel der Agrarlandschaft. Leider gibt es auch bei dieser Art aktuell Anzeichen eines deutlichen Bestandsrückganges.

Wie können wir der Wiesenschafstelze helfen?

  • Verzicht auf Biozideinsatz wo immer dies möglich ist.
  • Keine Mulcharbeiten auf Gras- und Erdwegen oder an Ackerrändern während der Brutzeit von April bis Juli.
  • Freizeitsportler und Erholungssuchende sollten sensible Wege meiden
  • Hunde während der Brut- und Setzzeit an die Leine
Schafstelze

Infobrief zur Qualitätsgabe

Geschrieben am 16.05.2019 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Wintergerste befindet sich meist in der Blüte (BBCH 61-69). Sofern sie im vergangenen Jahr spät gesät oder aufgrund der Trockenheit deutlich später aufgelaufen ist, befindet sie sich auch erst im Ährenschieben (BBCH 51-59). Ährenschieben ist auch das überwiegende Stadium für Roggen. Ab Blüte lagert die Pflanze nur noch Stickstoff von den älteren in die jüngeren Blätter um.

Winterweizen hat in der Regel das Stadium BBCH 33-34 erreicht. Ab der nächsten Woche kann das Fahnenblatt schieben. Sofern ein Düngebedarf besteht, sollte in der kommenden Woche die Spätdüngung erfolgen.

Die Nmin-Untersuchungen im Frühjahr haben auf den meisten Flächen, die erhöhte Nitratmengen aufwiesen, gezeigt, dass im Unterboden ein Nitratpool liegt.

Regelmäßige Nitracheckmessungen haben deutlich gezeigt, dass nach Vorfrüchten mit höherem N-Nachlieferungspotenzial (Kartoffeln, Erbsen) nach den ersten nennenswerten Niederschlägen im April ein sprunghafter Anstieg der N-Konzentration im Presssaft stattfand. Bei anderen Vorfrüchten (ZR, Getreide, Mais) waren diese Effekte nicht zu erkennen. Abbildung Nitracheck_2019 Das bedeutet, dass eine N-Aufnahme aus den tieferliegenden Schichten Ende April noch nicht stattgefunden hat. Es stellt sich die Frage , ob die Bodenfeuchtigkeit im Unterboden ausreicht, um die tieferliegenden Mengen aufzunehmen.

Nachdem es am 11. Mai endlich nach ergiebigen Regenfällen wieder zu einer Durchfeuchtung im Oberboden (0-30 cm) kam, steigen die Nitracheckkonzentrationen z.T. sprunghaft an. Flächen, die regelmäßig organisch gedüngt werden oder eine organische Düngung mit geringen TS-Anteilen im zeitigen Frühjahr erhalten haben, können jetzt N nachliefern. Dies erklärt den abrupten Anstieg von teilweise 1.000 ppm Nitrat im Presssaft.

Das ist zu beachten:

  • Bitte nutzen Sie für die anstehende Düngung die Möglichkeit über Nitracheck oder Chlorophyllmessungen den potenziellen N-Bedarf zu ermitteln. Dies gilt besonders für Flächen mit organischer Düngung!
  • Wenn ein N-Bedarf besteht, dann überprüfen Sie unbedingt, ob Sie nach der vorliegenden N-Bedarfsermittlung überhaupt noch N ausbringen können und in welcher Höhe. Für viele Bestände ist der Spielraum extrem eng. Auf keinen Fall darf der im Frühjahr ermittelte N-Bedarf überschritten werden!
  • Da die Wirkung der Spätdüngung immer stark von der Witterung abhängig ist, sollten Sie unbedingt auf eine ertragsabsichernde Düngung mit Erscheinen des Fahnenblattes setzen. Um hohe Proteinwerte zu erzielen müssen Düngung und Witterung wirklich zu 100 % passen. Das ist in den letzten 5 Jahren nicht mehr passiert.
  • Damit die Mindeststandards an Protein für Brotweizen nicht unterschritten werden, bietet sich die Düngung mit Harnstoff oder ammoniumbetonten N-Düngern an. Wenn eine langsame Abreife erfolgt, führen diese N-Formen zu höheren Proteinwerten als eine KAS-Düngung.
  • Bitte jetzt keine stabiliserten N-Dünger für die Spätgabe verwenden. Die Wirkung kommt zu spät.
  • Ausreichende Proteinwerte können nur gebildet werden, wenn die Schwefelversorgung stimmt. Wenn das jüngste Blatt deutlich heller ist als die älteren Blätter, deutet dies auf Schwefelmangel hin. Schwefel wird in der Pflanze nicht mehr umgelagert! Schwefelhaltige N-Dünger sind die Wahl oder, noch besser, die Zugabe von Bittersalz bei den letzten Pflanzenschutzmaßnahmen oder als Flüssigdünger. Gerade die beiden letztgenannten Applikationen gewährleisten, dass der Schwefel dahin kommt, wo er hingehört, nämlich auf das Fahnenblatt und die Ähre.

Bitte achten Sie darauf, dass auch außerhalb der Wasserschutzgebiete Zwischenfrüchte eingesät werden. Die letzten trockenen Jahre haben gezeigt, dass eine frühe Einsaat, unmittelbar nach der Getreideernte, die Restfeuchtigkeit für die Keimung nutzen kann. Wenn der Boden nach der Stoppelbearbeitung erst einmal ausgetrocknet ist, wird die Etablierung deutlich schwieriger. Nach Gerste sollte eine Stoppelbearbeitung erfolgen, da die Ausfallgerste sonst die Zwischenfrucht zu sehr unterdrückt. Nach Weizen bietet sich jedoch die sofortige ZF-Aussaat an. Achten Sie darauf eine Mischung ohne oder nur mit geringen Senf-Anteilen zu verwenden, da der Senf sonst zu schnell zur Blüte kommt.

Bei Fragen steht Ihnen das AGGL Team gerne unter der Telefonnummer 06162-94352-0 zur Verfügung. Bitte kündigen Sie sich telefonisch an, wenn Sie für weitere Messungen Pflanzen bringen. Für Nitracheckmessungen werden ca. 15 Pflanzen mit Wurzeln benötigt. Für Chlorophyllmesungen werden die jünsten voll entwickelten Blätter des Haupttriebes (ca. 30 ) gebraucht. Das Pflanzenmaterial sollte gekühlt werden, damit es nicht zur Verfälschung der Ergebnissse kommt. Material für Nitracheck nicht vormittags oder am Abend nehmen. Die Stomata dürfen nicht geschlossen sein.

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