Rundbrief 22. Juli 20 – Nacherntemanagement und Zwischenfrüchte

Geschrieben am 22.07.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

Die Getreideernte ist voll im Gang und liefert bislang meist befriedigende bis sehr gute Erträge. Auch die Raps- und Körnererbsenernte wurde zumindest im Reinheimer Hügelland weitgehend abgeschlossen. Bei den letztgenannten Kulturen ist zu beachten, dass die Erntereste in Form von Stroh und bei den Leguminosen auch in Form von symbiontischen Knöllchenbakterien, die an den Wurzeln sitzen, relativ viel Stickstoff enthalten. Dieser Stickstoff kann unter geeigneten Bedingungen im Boden freigesetzt werden, nämlich, wenn ausreichend Wärme, Feuchtigkeit und Luft vorhanden sind. Dabei fördert die intensive Durchmischung von Ernteresten mit dem Boden die Umsetzung. Dies ist einerseits aus phytosanitären Gründen gewünscht, führt aber andererseits zu hohen Nmin-Werten im Herbst, sofern nicht nachfolgend eine Zwischenfrucht angebaut wird. Gerade bei Raps und Erbsen ist eine Verdreifachung der Nmin-Mengen im Boden zwischen Ernte und Vegetationsende keine Seltenheit.

Dass die Bodenbearbeitung nach Raps so selten wie nötig und so flach wie möglich durchgeführt werden muss, sollte hinreichend bekannt sein. Wichtig ist, dass die ausgefallenen Rapssamen nicht vergraben werden, sondern zur Keimung kommen. Die Rapsstängel müssen zerkleinert oder gut aufgespleisst werden, damit Krankheitserreger in ihnen nicht überdauern können. In unseren Demoversuchen wurden mit Mulcher oder Messerwalze  gute Ergebnisse erzielt.  Wenn es noch viele Gummischoten gibt, bietet sich auch der Einsatz einer Walze an. Eine flache Bodenbearbeitung darf erst erfolgen, wenn der Ausfallraps aufläuft. Hier ist die Kurzscheibenegge optimal, gute Ergebnisse liefert auch die Kettenscheibenegge. Wenn die zweite Welle aufläuft, bietet es sich bei einer weiten Rapsfruchtfolge an, den Ausfallraps stehen zu lassen und erst unmittelbar vor der folgenden Getreideaussaat einzuarbeiten. Bei einer engen Rapsfruchtfolge (< 4 Jahre) kann ansonsten mit der ersten Bodenbearbeitung auch eine schnellwüchsige cruciferenfreie Zwischenfrucht eingesät werden (z.B. Ramtilkraut + Phacelia). So kann der freiwerdende Stickstoff gut gebunden werden. Da Ausfallraps oder Zwischenfrucht in der vegetativen Phase ein enges C/N-Verhältnis hat, sollte als Folgegetreide entweder Wintergerste oder –Roggen angebaut werden, die sich im Herbst noch bestocken und eine bessere Stickstoffverwertung aufweisen.  Falls Winterweizen folgen soll, ist  die Aussaat ggfs nach hinten zu verschieben. Entscheidend für die Weizenaussaat ist die Bodentemperatur ( < 8 °C) .

In den Jahren 2017 und 2019 wurden Demoversuche  zum Nacherntemanagement in Ober-Ramstadt, Groß-Bieberau, Brensbach, Otzberg und Groß-Umstadt angelegt. Die Effekte von Bodenbearbeitung, Ausfallraps oder Zwischenfrucht auf die Herbst-Nmin-Werte (HNmin) sind deutlich zu erkennen. 2020_07-22-Abbildung Raps

 

Ähnliche Effekte lassen sich auch nach dem Anbau von Erbsen beobachten.  2020_07-22-Abbildung Erbsen Im vergangenen Jahr wurde auf einer Demofläche in Otzberg nach der Ernte eine Zwischenfrucht eingesät. Dabei blieb ein Vergleichsstreifen ohne Zwischenfrucht. Bis zur Beprobung Im Herbst kam es auf dem Streifen ohne Zwischenfrucht nicht nur zu einem Anstieg der Nitratmenge im Boden, sondern auch zu einer Verlagerung in die unterste Bodenschicht. Die Streifen mit Zwischenfrucht wiesen geringere Nmin-Werte auf, eine Verlagerung war bis zur Bodenbeprobung nicht festzustellen. Dabei spielte es keine Rolle ob der nachfolgende Weizen mit Einarbeitung der Zwischenfrucht eingesät wurde oder ob zunächst eine Messerwalze die Zwischenfrucht zerkleinerte.

In Hinblick auf den Erosionsschutz ist bei entsprechender Drilltechnik die Messerwalze anstelle der der Einarbeitung der Zwischenfrucht vorzuziehen.

In den meisten WSG-Kooperationen wird die Begrünung nach Raps oder Körnerleguminosen gefördert. Bitte sprechen Sie uns darauf an.

 

Achtung rote Gebiete:

Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass ab dem kommenden Jahr in den roten Gebieten zu Sommerungen nur gedüngt werden darf, wenn eine Zwischenfrucht vor der Sommerung bis zum 15. Januar auf dem Acker steht.

 

Wir wünschen Ihnen noch einen guten Ernteverlauf!

Kontaktieren Sie uns (Tel. 06162-9435210), wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!

 

Ihr AGGL-Team

Rundbrief Nacherntemanagement – DÜV – rote Gebiete

Geschrieben am 02.07.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

Am 1. Mai ist die Änderung der Düngeverordnung in Kraft getreten.  Ausgenommen sind die weiterführenden Vorgaben in den roten Gebieten. Diese treten aufgrund der Corona-Krise erst ab dem 01. Januar 2021 in Kraft. Allerdings gilt es schon jetzt, diese späteren Auflagen zu berücksichtigen.

Bitte überprüfen Sie, inwieweit von Ihnen bewirtschaftete Flächen betroffen sind. In der Übersicht: rote DÜV-Gemarkungen-2019 sehen Sie die „roten“ Gemarkungen, die im Einzugsgebiet der Gersprenz im Maßnahmenraum Bergstraße/Odenwald liegen.

Außerdem sind die Einzugsgebiete von Brunnen III in Birkenau sowie von Quelle I (Weibertswiesen) in Kirschhausen ausgewiesen.

Einen genaueren Abgleich können Sie mit Hilfe Ihres digitalen Agrarantrags durchführen. In HELENA-2020 können Sie sich folgende Layer einblenden:

  • Böschungsoberkante
  • Erosion
  • Schutzgebiete

⇒     Wasserschutzgebiete

⇒    Gefährdete Gebiete § 13 DÜV

  • Gewässernetz

 

Achtung: in roten Gebieten dürfen ab 01. Januar 2021 Sommerungen nur gedüngt werden, wenn auf der entsprechenden Fläche bis zum 15. Januar eine Zwischenfrucht steht.

Schon jetzt gilt für die roten Gebiete:

  • Verpflichtende Nährstoffanalyse von organischen Düngern vor der Ausbringung,
  • Absenkung des zulässigen N-Bilanzsaldos im betrieblichen Nährstoffvergleichs um 10 kg N/ha (letztmals WJ 2019/2020),
  • Abstandsregelungen an den Oberflächengewässern

 

Bitte beachten Sie: Vorgaben aus der DÜV 2017, die nicht geändert wurden behalten ihre Gültigkeit!

Das ist jetzt zu beachten für Düngungs- und Feldarbeiten nach der Ernte:

  • Planung und Dokumentation der Düngung, nach der Ernte gilt noch die vereinfachte Düngebedarfsermittlung (DBE). Achtung: der verfügbare Stickstoff, der im Herbst ausgebracht wird, ist bei der DBE, welche im Frühjahr vor der 1. Düngung erstell wird, voll zu berücksichtigen! Jede Düngungsmaßnahme und Weidehaltung ist spätestens zwei Tage nach Durchführung aufzuzeichnen.
  • Es gilt auf Ackerland die 30/60er Regelung und eine Sperrfrist vom 01. Oktober – 31. Januar
  • Bei der Ausbringung organischer Dünger dürfen keine Ausbringungsverluste abgezogen werden
  • Für Gülle und flüssiges Gärsubstrat ist der Anteil des mindestens anrechenbaren Gesamt-Stickstoffs im Aufbringungsjahr erhöht worden:
    • Rindergülle auf Ackerland = 60 %, auf Grünland = 50 %
    • Schweinegülle auf Ackerland = 70 %, auf Grünland = 60 %
    • Gärsubstrat flüssig auf Ackerland = 60 %, auf Grünland  = 50 %

in WSGen gelten oft höhere Ausnutzungsgrade, diese sind dann anzuwenden.

  • Grünland und  mehrjähriger Ackerfutterbau (Aussaat bis 15. Mai des Jahres)  darf ab dem 01. September maximal mit 80 kg Gesamt-N gedüngt werden
  • Grünland und  mehrjähriger Ackerfutterbau (Aussaat bis 15. Mai des Jahres)  haben eine Sperrfrist vom 01. November – 31. Januar
  • Phosphathaltige Dünger, Festmist von Huf- und Klauentieren und Komposte haben ein Ausbringungsverbot vom 01. Dezember bis 15. Januar

Im hängigen Gelände sind je nach Hangneigung bei der Düngung folgende Auflagen in Abhängigkeit vom Abstand zur Böschungsoberkante einzuhalten: Tab_Rundbrief2020_07_02

Kontaktieren Sie uns (Tel. 06162-9435210), wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!

Ihr AGGL-Team

Informationen aus der Landwirtschaft – Juli

Geschrieben am 01.07.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Sommerzeit ist Erntezeit!

Jetzt ist es wieder so weit. Die Getreideernte beginnt und die Mähdrescher fahren – oft bis spät in die Nacht. Scheinbar von selbst schiebt sich das Schneidwerk in die reifen Ähren. Über eine drehende Förderschnecke, Trommeln und Siebe wird das Getreide in den Korntank des Dreschers befördert. Ist der Korntank voll oder fährt der Mähdrescher rückwärts ertönt ein Warnsignal – das kann in den Nachtstunden dem Einen oder Anderen schon mal den Schlaf rauben. Bitte haben Sie Verständnis, die Erntezeit geht rasch vorbei!

Alle Jahre wieder sind Landwirte und Nicht-Landwirte fasziniert von den Erntegiganten. Sie fahren mit 30 km/h auf den Straßen sind bis zu vier Meter hoch und dreieinhalb Meter breit und bringen leer gut und gerne fünfzehn Tonnen und mehr auf die Waage. Mähdrescher sind in der Lage alle Druschfrüchte zu ernten, dazu gehören Getreide, Raps, Erbsen, Bohnen bis hin zu Sonnenblumen oder Mais. Die Investition in einen solchen Ernteriesen entspricht dem Bau eines Hauses. Daher lohnt sich hier der überbetriebliche Maschineneinsatz ganz besonders. Lohnunternehmer und speziell in Hessen übernehmen Maschinen- und Bodenverbände einen Großteil der Druscharbeiten. Bei optimalem Erntewetter zählt jede Stunde. Regen verzögert die Erntearbeiten und das kann sich ganz schnell negativ auf die Qualität des Ernteguts auswirken.

Aber gerade jetzt im Sommer zur Urlaubszeit werden die Feldwege auch gerne von Erholungssuchenden und Freizeitsportlern genutzt, da kann es schnell zu Unmut und Missverständnissen kommen.

Bitte denken sie daran – Rücksicht macht die Wege breiter!

Die großen Erntefahrzeuge und Zugmaschinen sind nicht so wendig und voll beladen teils auch schwer manövrierbar, weshalb ein Ausweichen nicht so einfach möglich ist. Läufer, Radler und Reiter können leichter zur Seite ausweichen – bitte tun Sie das!

Auf gut ausgebauten Wegen können Traktoren teils mit beachtlicher Geschwindigkeit fahren. Es ist nur zu verständlich und nachvollziehbar, dass sich Spaziergänger „an die Stirn tippen“, wenn 40 Tonnen scheinbar ungebremst auf sie zusteuern. Liebe Traktoristen – bitte fahren Sie in angemessenem Abstand und mit angemessener Geschwindigkeit an Spaziergängern, Radfahrern, etc. vorbei. Der stärkere Verkehrsteilnehmer schützt den Schwächeren.

In diesem Sinne eine gute Sommerzeit und nicht vergessen – die Ernte dient uns allen!

Für Fragen steht Ihnen auch gerne der MBLV Südhessen unter 06078/913220 zur Verfügung.

Mähdrescher im Ernteeinsatz  (Bild: Reiner Haas, MBLV)

Mähdrescher im Ernteeinsatz
(Bild: Reiner Haas, MBLV)

Rundbrief – 13. Mai, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 15.05.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Die 40 mm Niederschlag vom 10. bis 11 Mai taten allen Kulturen gut.

Nitracheckmessungen im Bestand zeigen, dass der Bedarf weiter deutlich zurückgeht. Die Messungen in dieser Woche zeigen weiterhin einen deutlichen Rückgang. Im Schnitt liegen die Bedarfswerte jetzt um 15 – 20 kg N/ha geringer als bei den letzten Messungen vor 14 Tage. Auf einigen Standorten wurde schon eine vorgezogene Spätdüngung zum Weizen ausgebracht. Sofern der Pflanzenbestand über eine ausreichende Triebzahl verfügt, ist eine vorgezogene Spätdüngung in Anbetracht der unsicheren Witterung auch sicherer. Wo die Triebzahl nicht ausreicht, muss auf jeden Fall die Spätdüngung reduziert werden.

Bei Stoppelweizen, aber auch bei Weizen nach Kartoffeln oder Mais wird je nach Standort einen Bedarf zwischen 0-40 kg N/ha gemessen. Rübenweizen zeigt die größte Schwankungsbreite im N-Bedarf mit 0-70 kg N/ha. Ausgedünnte Bestände, die in der Entwicklung zurück geblieben sind, haben oft deutlich höhere N-Gehalte im Presssaft (Aufkonzentration). Im Oberboden sind in der Regel 20 kg NO3-N/ha in 0-30 cm zu finden. Die darunter liegenden Schichten enthalten auch Stickstoff und der Boden mineralisert infolge zunehmender Erwärmung N aus der organischen Substanz. Dies sollte bei der Bemessung der Spätdüngung noch berücksichtigt werden.

Wie unterschiedlich die Ergebnisse trotz gleicher Vorfrucht und vergleichbaren Frühjahrs-Nmin (42 kg NO3-N/ha in 0-90 cm Boden) sind, zeigt die folgende Grafik, in der der N-Bedarf von drei Weizen nach Vorfrucht Zuckerrüben in Roßdorf zu sehen ist.

Grafik Nitracheck_2020_05-14

Schlag RD 1 wurde mit Gärsubstrat angedüngt, die zweite Gabe erfolgte mit Alzon. Der Stickstoff wirkt bis Ende April kaum. Erst nach den Niederschlägen um den 1. Mai findet eine spürbare N-Aufnahme statt. Schlag RD 2 mit Stabilo N gedüngt startet ebenfalls verhalten. Nach dem 20. April (Ende der kalten Nächte) findet eine größere N-Aufnahme statt. Schlag RD 3 wurde zunächst mit dem schnell wirksamen SSA angedüngt, welches auch schnell aufgenommen wurde. Das nur wenig später ausgebrachte Gärsubstrat sowie das im April ausgebrachte Alzon benötigten ebenfalls die Niederschläge vom Maianfang um Wirkung zu zeigen.

Bei vielen dünnen Getreidebeständen kommt es aufgrund der geringen Beschattung zur weiteren Verunkrautung. Bitte kontrollieren Sie die Bestände. Besonders problematisch wird es, wenn resistente Weidelgräser oder Ackerfuchsschwanz sich ausbreiten. Hier ist zu erwägen, ob vergraste (Teil-) Flächen abgemulcht oder als GPS genutzt werden kann. Auf keinen Fall dürfen resistente Ungräser zur Samenausbildung kommen. Die Samen können mehrere Jahre im Boden überdauern. Sofern Teilflächen abgemulcht werden, muss einige Zeit danach evtl ein zweiter Mulchgang erfolgen, da Seitentriebe erst mit Verzögerung (ca. 2-3 Wochen später) zur Blüte kommen. Geschickter ist es die Pflanzen als GPS zu nutzen, besonders, wenn es sich um resistente Weidelgräser handelt. Gemäht werden sollte spätestens mit Blühbeginn der Weidelgräser, damit sich keine Samen bilden.

Achten Sie darauf, dass ggfs der Flächenantrag geändert werden muss.

Vom Weidelgras zum Grünland: Nachdem in den letzten Tagen vielfach vom Dauergrünland der 1. Schnitt eingefahren wurde, bietet es sich jetzt an Gülle/Gärsubstrat auf die Flächen zu fahren. Nach dem 1. Schnitt bietet es sich an Nachsaaten auf dem Grünland durchzuführen. Wichtig ist es, die Narbe zuvor mit dem Striegel aufzulockern und besonders die Gemeine Rispe herauszustriegeln, damit das Saatgut überhaupt in Bodenkontakt kommt und genügend Licht erhält. Uneingeschränkt nachsaatwürdig ist das Deutsche Weildegras. Auf trockeneren Standorten bietet sich die Zumischung von Weißklee, bei reiner Schnittnutzung und je nach pH-Wert auch Rotklee oder Luzerne an. Auf Pferdeweiden kann versucht werden Rotschwingel mit einzusäen. Allerdings ist dann der Einsatz einer Nachsaatmaschine nötig. Auf keinen Fall darf auf Dauergrünland Welsches oder Einjähriges Weidelgras nachgesät werden. Dies sind Ackerfuttergräser, sie verdrängen schnell die wertvollen Grünlandgräser und mindern durch ihre schnelle Entwicklung die Nutzungselastizität. Sie altern schneller und verringern den Futterwert.

Rundbrief – 7. Mai 2020, Virtueller Feldrundgang

Geschrieben am 07.05.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein, Beiträge

In unserer Region sind zwischen dem 28. April und dem 5. Mai 20-35 mm Niederschlag gefallen. Es war nicht die Menge, hat aber gereicht, um ein deutliches Ergrünen zu bewirken. Aber nicht nur die Kulturen atmen durch, sondern auch die Unkräuter. Zum Wochenende, sollte Mais entsprechend kontrolliert und behandelt werden.

Nitracheckmessungen im Bestand zeigen, dass der N- Bedarf deutlich zurückgegangen ist. Jetzt wirken die Düngungsgaben und der Boden liefert bei Bodentemperaturen zwischen 12-14 ° C Stickstoff aus der organische Substanz nach. Wir haben im Zuge der Nitracheckuntersuchungen von einigen Flächen wieder Bodenproben aus der Schicht 0-30 cm entnommen. Von 19 Flächen im Reinheimer Hügelland liegen die Nmin-Werte im Oberboden zu 75 % in einem Bereich zwischen 30 – 35 kg NO3-N/ha. Auf einigen Standorten je nach Vorfrucht und Einsatz organischer Düngemittel aber auch deutlich darüber. Außerhalb der Gunststandorte sind die Werte meist in einem Bereich um 20 kg Nmin im Oberboden (6 Flächen). Da auch in den unteren Bodenschichten Stickstoff vorhanden ist, sollte die weitere Entwicklung zunächst abgewartet werden, bevor man sich Gedanken über eine Spätdüngung macht.

Noch einen wichtigen Aspekt liefern die Bodenproben, nämlich die Beurteilung der Bodenfeuchte. Auf tiefgründigen Standorten mit mehr als 65 BP konnten wir bei der Feststellung der TS des Bodens einen Feuchtegrad von 15-20 % ermitteln. Auf Standorten mit geringerer Wasserspeicherfähigkeit lagen die Feuchtegrade unter 10 %. Die Anzahl der Triebe betrug dort z.T. nur 1,2/Pflanze. Ohne Wasser passiert hier gar nichts mehr.

Für vitale Bestände hat jetzt oberste Priorität die letzten Blattetagen gesund zu erhalten. Weizen ist jetzt überwiegend im Stadium EC34/37 bzw. F-1. Nachdem in den letzten Wochen Pilzbefall aufgrund der Witterung kaum eine Rolle gespielt hat, muss jetzt kontrolliert werden.

Ab der kommenden Woche mit Erscheinen des Fahnenblattes sollten dann

  •  die Anzahl ährentragender Halme überprüft werden. Gerade auf leichteren Standorten muss die Ertragserwartung aufgrund zu geringer Bestandesdichte nach unten korrigiert werden,
  • das Wurzelwachstum kontrolliert werden– sind die Wurzeln tief genug, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten?
  • berechnet werden, ob abzüglich der bisherigen Düngergaben und nach Korrektur der Ertragserwartung überhaupt noch ein Düngungsbedarf gegeben ist.

Dann sollte eine Nitracheck- oder Chlorophyllmessung an der Pflanze durchgeführt werden. Wenn zu vermuten ist, dass eine hohe N- Nachlieferung aus der organischen Substanz des Bodens erfolgt, dann sollte auch eine Nmin-Schnellanalyse des Oberbodens erfolgen, um im Stadium 39 ggf. handlungsfähig zu sein.

Bohrstock 0-30 cm

Bodentemperatur

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