Informationen aus der Landwirtschaft – Oktober

Geschrieben am 01.10.2020 | Kategorie(n) Aktuelles, Allgemein

Das Grünland in unseren Mittelgebirgslagen hat stark unter der Trockenheit gelitten und die die Grasnarben sind geschädigt. Dazu kommt in diesem Jahr ein außerordentlich hoher Besatz mit Feld- und Schermäusen. Beides sind Pflanzenfresser, die sich vornehmlich von Gras- und Kleewurzeln ernähren.

Damit sich das Grünland im kommenden Frühjahr besser erholt kann etwas nachgeholfen werden. Dazu fand am 29. September in Ober-Kinzig eine Grünlandbegehung auf einer Fläche der Kreuzdellenhof GbR, organisiert durch die AG Gewässerschutz und Landwirtschaft, statt. Vor Ort leitete Dr. Angela Homm-Belzer die Teilnehmer*innen sehr lebendig und fachkundig zur Bewertung von Grünland an.

Standort, Nutzung und Pflege entscheiden über den Pflanzenbestand. Denn Grünland ist nicht gleich Grünland! Es kann durch intensive Mahd genutzt oder extensiv beweidet werden. Häufig wird es in einer ersten Nutzung gemäht und zu einem späteren Zeitpunkt beweidet. Mit Hilfe eines Bewertungsbogens waren die Teilnehmer*innen aufgefordert einzelne Teilflächen zu bewerten. Handelt es ich um einen gräserreichen Standort mit mehr als 70% Grasanteil? Sind Gräser, Kräuter und Klee zu annähernd gleichen Teilen im Bestand vertreten? Oder überwiegen Klee und Kräuter und der Grasanteil ist gering?

Damit das Grünland leistungsfähig und die Grasnarbe dicht bleibt, muss eine achtsame Nutzung und regelmäßige Pflege erfolgen. Dazu gehört eine regelmäßige Nachsaat mit passendem Saatgut, aber genauso müssen zu lange Weidezeiten und Trittschäden auf der Fläche vermieden werden. Wenn die Tiere beginnen, die Narbe durchzutreten, ist es höchste Zeit für den Weideabtrieb! Eine letzte Überfahrt mit einem Mulcher oder Weidetrimmer sorgt dafür, dass kein überständiges Grünland in den Winter geschickt wird. Zu hohe Bestände neigen zur Auswinterung und bieten der ohnehin schon übermäßigen Mäusepopulation zusätzlich Schutz und Deckung. Greifvogelhocken an den Flächen unterstützen unsere heimischen Raubvögel bei der Jagd und helfen so den Mäusebesatz zu dezimieren.

Ein Ärgernis auf vielen Flächen ist der stumpfblättrige Ampfer (Rumex obtusifolius) – ein ausdauerndes Knöterichgewächs und ein enormer Platzräuber. Die Einzelpflanze kann bis zu 7.000 Samen bilden, die ein halbes Jahrhundert im Boden überdauern. Das Ausstechen der mächtigen Pfahlwurzel ist eine schweißtreibende Arbeit, aber die sicherste Möglichkeit den Ampfer wieder von den Flächen zu entfernen.

Übrigens ist intaktes Grünland herausragend für Wasser- und Erosionsschutz. In Hessen werden ca. 38% der landwirtschaftlichen Nutzfläche als Grünland genutzt – das entspricht 294.300 Hektar.

Ampferwurzel (Bild Angela Mögel, LLH)

Ampferwurzel (Bild Angela Mögel, LLH)

Aulendorfer Lückendetektor (Bild Angela Mögel, LLH)

Aulendorfer Lückendetektor (Bild Angela Mögel, LLH)