Informationen aus der Landwirtschaft – November

Geschrieben am 06.11.2019 | Kategorie(n) Allgemein

Bodenprofile im Reinheimer Hügelland

Auf einer Fläche im Wasserschutzgebiet Habitzheim waren über mehrere Wochen drei Bodenprofile zu sehen. Ein Bodenprofil ist eine ungefähr ein Kubikmeter große Grube, deren Wände senkrecht verlaufen. Hier können die unterschiedlichen Bodenhorizonte, Bodentypen und weitere Bodenparameter bestimmt werden. Die hessischen Bodenschätzer haben Landwirten und den Studierenden der Fachschule in Griesheim die Bodenprofile erläutert.

Das Reinheimer Hügelland ist eine sanftwellige, meist waldfreie Hügellandschaft am nördlichen Rand des Odenwaldes. Die lößbedeckte Landschaft ist größtenteils intensiv ackerbaulich genutzt – und das nicht ohne Grund. So zählen die Böden im Reinheimer Hügelland mit zu den ertragsreichsten Standorten. Aber woher kommen die mächtigen Lößauflagen und wie sind sie entstanden?

Parabraunerden sind der vorherrschende Bodentyp im Reinheimer Hügelland. Parabraunerden zählen zu den besten Ackerböden Deutschlands – hier gedeihen anspruchsvolle Kulturen wie Weizen und Zuckerrübe. Parabraunerden besitzen ein ausgezeichnetes Wasserspeichervermögen und sind gut durchlüftet. Pflanzen können bis in die Tiefe von > 150 cm wurzeln, um Wasser und Nährstoffe aus den tieferliegenden Bodenschichten zu erschließen.

Entstanden sind die Parabraunerden aus kalkhaltigem Material wie Löß oder Moränenablagerungen. Dies wurde während der letzten Eiszeit von Gletschern zerrieben und zermahlen. Entkalkung, Verwitterung und Verlagerung aus dem Ober- in den Unterboden haben im Laufe von rund 10.000 Jahren zur Bodenbildung geführt. Nach der Eiszeit ist der Staub, der Löß in verschiedene Gegenden verweht worden.

Aber selbst die besten Ackerböden sind nicht ganz fehlerfrei – Parabraunerden sind erosionsgefährdet und neigen zur Verschlämmung. Durch Erosion geht wertvoller Boden für die Bewirtschaftung verloren und belastet die Fließgewässer, während Verschlämmung empfindliche Sämereien beim Feldaufgang behindern kann.

Unsere Böden bilden die Grundlage für die Erzeugung von Nahrungsmitteln. Böden haben eine Filterfunktion und sind unersetzlich für die Grundwasserbildung. Böden speichern Kohlenstoff und sind Lebensraum für Bodenorganismen wie Pilze, Algen, Fadenwürmer, Tausendfüßler und Regenwürmer. Diese verarbeiten Pflanzenreste und Dünger und tragen maßgeblich zur Fruchtbarkeit unserer Böden bei.

In einem Kubikmeter Boden leben mehrere Billionen Bodenorganismen!

Jede Sekunde werden in Deutschland circa acht Quadratmeter Boden neu bebaut und versiegelt. Diese Fläche geht unwiederbringliche für die wichtigen Bodenfunktionen verloren.

Umso besser, dass die Profilgruben auf einer Ackerfläche waren, die auch Acker bleibt.

Die amtlichen Bodenschätzer befanden den Boden dort in einem guten Zustand.

 Bodenprofil Profilgrube