Die Wiesenweihe

Geschrieben am 06.11.2019 | Kategorie(n) Allgemein

Text und Bilder von Wolfgang Heimer

Die Wiesenweihe bewohnt großflächig offene, feuchte Habitate wie breite Flusstäler, Verlandungszonen, Moore, aber auch trockenere Lebensräume wie Steppen, Heiden, Landwirtschaftsflächen und junge Aufforstungen. In Mitteleuropa wurden die Horste früher überwiegend im Bereich von Verlandungszonen angelegt und dort vor allem im Übergangsbereich vom Röhricht zum Seggenried. Diese Lebensräume sind in Mitteleuropa fast völlig zerstört, die Art besiedelt hier jedoch in den letzten Jahrzehnten zunehmend intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen mit vergleichbarer Vegetationsstruktur, vor allem Getreidefelder. Wiesenweihen jagen über den Flächen, die auch als Bruthabitate dienen; auf Äckern brütende Paare nutzen zur Jagd gerne Brachland in der Umgebung. Sie jagen über offenem Gelände überwiegend im niedrigen, hin und her schwenkenden Suchflug mit leicht nach oben gehaltenen Flügeln. Die Beute, Kleinsäuger und kleine Vögel, wird am Boden aus kurzer Distanz überrascht und gegriffen, die sehr agilen Wiesenweihen versuchen aufgescheuchte Kleinvögel durch blitzschnelle Körperdrehungen auch noch in der Luft zu greifen.

Die Balz beginnt mit der Ankunft des Männchens im Brutrevier meist Ende April/Anfang Mai. Sie besteht in erster Linie aus spektakulären Schauflügen des Männchens, selten von beiden Partnern. Das Männchen zeigt Wellenflüge in großer Höhe, Loopings, Sturzflüge mit schraubigen Drehungen, plötzliche Wendungen und unkontrolliert erscheinendes Abtrudeln. Dabei ruft das Männchen häufig. Das Nest steht meist direkt auf dem Boden auf trockenem bis etwas feuchtem, nur sehr selten auf sehr nassem Untergrund. Die Vegetation am Brutplatz darf weder zu hoch noch zu dicht sein. Meist ist sie etwa 1 m hoch. Für Bruten auf Getreidefeldern wird in Mitteleuropa meist Wintergerste gewählt, da diese bei der Ankunft der Brutvögel meist schon hoch genug steht. Die Eiablage beginnt in Mitteleuropa nur ausnahmsweise Anfang Mai, meist erst ab Mitte Mai bis Anfang Juni. Die Brutdauer beträgt 28–30 Tage, die Nestlingszeit 30–35 Tage. Die Jungvögel werden ab Mitte Juli flügge. Wiesenweihen sind Langstreckenzieher, sie überwintern in Afrika südlich der Sahara sowie im Süden Asiens.

Über 10 Jahre brüteten bis zu 3 Wiesenweihenpaare im Altkreis Dieburg, damals das einzige Vorkommen in Hessen. Heute gilt die Art in Hessen als ausgestorben. Wachsende Bestände im benachbarten Bayern und regelmäßig bei uns durchziehende Wiesenweihen lassen aber auf eine erneute Brutansiedlung hoffen.

Wie können wir der Wiesenweihe helfen?                                                                                       

Wichtig sind frühzeitige Hinweise auf mögliche Brutplätze an örtliche Vogelschützer oder die Naturschutzbehörden.

In Abstimmung mit den betroffenen Landwirte muss dann die Ausweisung einer Schutzzone um das Nest erfolgen, meist eine Fläche von 50 × 50 m, auf der der Landwirt die Ernte zurückstellt.

Für den Ernteausfall wird der Landwirt meist von staatlichen Stellen entschädigt

Wiesenweihe