Infobrief zur Qualitätsgabe

Geschrieben am 16.05.2019 | Kategorie(n) Aktuelles, Beiträge

Wintergerste befindet sich meist in der Blüte (BBCH 61-69). Sofern sie im vergangenen Jahr spät gesät oder aufgrund der Trockenheit deutlich später aufgelaufen ist, befindet sie sich auch erst im Ährenschieben (BBCH 51-59). Ährenschieben ist auch das überwiegende Stadium für Roggen. Ab Blüte lagert die Pflanze nur noch Stickstoff von den älteren in die jüngeren Blätter um.

Winterweizen hat in der Regel das Stadium BBCH 33-34 erreicht. Ab der nächsten Woche kann das Fahnenblatt schieben. Sofern ein Düngebedarf besteht, sollte in der kommenden Woche die Spätdüngung erfolgen.

Die Nmin-Untersuchungen im Frühjahr haben auf den meisten Flächen, die erhöhte Nitratmengen aufwiesen, gezeigt, dass im Unterboden ein Nitratpool liegt.

Regelmäßige Nitracheckmessungen haben deutlich gezeigt, dass nach Vorfrüchten mit höherem N-Nachlieferungspotenzial (Kartoffeln, Erbsen) nach den ersten nennenswerten Niederschlägen im April ein sprunghafter Anstieg der N-Konzentration im Presssaft stattfand. Bei anderen Vorfrüchten (ZR, Getreide, Mais) waren diese Effekte nicht zu erkennen. Abbildung Nitracheck_2019 Das bedeutet, dass eine N-Aufnahme aus den tieferliegenden Schichten Ende April noch nicht stattgefunden hat. Es stellt sich die Frage , ob die Bodenfeuchtigkeit im Unterboden ausreicht, um die tieferliegenden Mengen aufzunehmen.

Nachdem es am 11. Mai endlich nach ergiebigen Regenfällen wieder zu einer Durchfeuchtung im Oberboden (0-30 cm) kam, steigen die Nitracheckkonzentrationen z.T. sprunghaft an. Flächen, die regelmäßig organisch gedüngt werden oder eine organische Düngung mit geringen TS-Anteilen im zeitigen Frühjahr erhalten haben, können jetzt N nachliefern. Dies erklärt den abrupten Anstieg von teilweise 1.000 ppm Nitrat im Presssaft.

Das ist zu beachten:

  • Bitte nutzen Sie für die anstehende Düngung die Möglichkeit über Nitracheck oder Chlorophyllmessungen den potenziellen N-Bedarf zu ermitteln. Dies gilt besonders für Flächen mit organischer Düngung!
  • Wenn ein N-Bedarf besteht, dann überprüfen Sie unbedingt, ob Sie nach der vorliegenden N-Bedarfsermittlung überhaupt noch N ausbringen können und in welcher Höhe. Für viele Bestände ist der Spielraum extrem eng. Auf keinen Fall darf der im Frühjahr ermittelte N-Bedarf überschritten werden!
  • Da die Wirkung der Spätdüngung immer stark von der Witterung abhängig ist, sollten Sie unbedingt auf eine ertragsabsichernde Düngung mit Erscheinen des Fahnenblattes setzen. Um hohe Proteinwerte zu erzielen müssen Düngung und Witterung wirklich zu 100 % passen. Das ist in den letzten 5 Jahren nicht mehr passiert.
  • Damit die Mindeststandards an Protein für Brotweizen nicht unterschritten werden, bietet sich die Düngung mit Harnstoff oder ammoniumbetonten N-Düngern an. Wenn eine langsame Abreife erfolgt, führen diese N-Formen zu höheren Proteinwerten als eine KAS-Düngung.
  • Bitte jetzt keine stabiliserten N-Dünger für die Spätgabe verwenden. Die Wirkung kommt zu spät.
  • Ausreichende Proteinwerte können nur gebildet werden, wenn die Schwefelversorgung stimmt. Wenn das jüngste Blatt deutlich heller ist als die älteren Blätter, deutet dies auf Schwefelmangel hin. Schwefel wird in der Pflanze nicht mehr umgelagert! Schwefelhaltige N-Dünger sind die Wahl oder, noch besser, die Zugabe von Bittersalz bei den letzten Pflanzenschutzmaßnahmen oder als Flüssigdünger. Gerade die beiden letztgenannten Applikationen gewährleisten, dass der Schwefel dahin kommt, wo er hingehört, nämlich auf das Fahnenblatt und die Ähre.

Bitte achten Sie darauf, dass auch außerhalb der Wasserschutzgebiete Zwischenfrüchte eingesät werden. Die letzten trockenen Jahre haben gezeigt, dass eine frühe Einsaat, unmittelbar nach der Getreideernte, die Restfeuchtigkeit für die Keimung nutzen kann. Wenn der Boden nach der Stoppelbearbeitung erst einmal ausgetrocknet ist, wird die Etablierung deutlich schwieriger. Nach Gerste sollte eine Stoppelbearbeitung erfolgen, da die Ausfallgerste sonst die Zwischenfrucht zu sehr unterdrückt. Nach Weizen bietet sich jedoch die sofortige ZF-Aussaat an. Achten Sie darauf eine Mischung ohne oder nur mit geringen Senf-Anteilen zu verwenden, da der Senf sonst zu schnell zur Blüte kommt.

Bei Fragen steht Ihnen das AGGL Team gerne unter der Telefonnummer 06162-94352-0 zur Verfügung. Bitte kündigen Sie sich telefonisch an, wenn Sie für weitere Messungen Pflanzen bringen. Für Nitracheckmessungen werden ca. 15 Pflanzen mit Wurzeln benötigt. Für Chlorophyllmesungen werden die jünsten voll entwickelten Blätter des Haupttriebes (ca. 30 ) gebraucht. Das Pflanzenmaterial sollte gekühlt werden, damit es nicht zur Verfälschung der Ergebnissse kommt. Material für Nitracheck nicht vormittags oder am Abend nehmen. Die Stomata dürfen nicht geschlossen sein.