Hessische Ausführungsverordnung für die Düngeverordnung in Kraft

Geschrieben am 04.09.2019 | Kategorie(n) Aktuelles

Am 29. August wurde die hessische Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDüV) im Verordnungsblatt veröffentlicht. Sie ist am Folgetag in Kraft getreten.

Die AVDüV regelt zusätzliche Anforderung zur Reduzierung von Nitrateinträgen in belastete Grundwasserkörper. Im Beratungsraum Bergstraße/Odenwald sind als Gebiete mit belasteten Grundwasserkörpern eingestuft:

  • die Gemarkungen im Einzugsgebiet der Gersprenz
  • die  Wasserschutzgebiete Brunnen 3, Birkenau und Quelle 1 Weibertswiesen, Kirschhausen

Die Karte rote DÜV-Gemarkungen-2019 zeigt die betroffenen Gemarkungen im Einzugsgebiet Gersprenz.
ACHTUNG: Außerhalb unseres Beratungsgebietes – auch direkt angrenzend – sind weitere Gemarkungen betroffen. Die Übersichtskarte für Hessen, tabellarische Aufstellung und der Verordnungstext finden sich hier: 2019-08-29_HAVDüV

Es haben sich schon einige Fragen zur Verordnung ergeben. Die AGGL ist bemüht, diese Fragen mit den zuständigen Stellen zu klären bzw. an diese weiterzuleiten.

Zusätzliche Anforderungen und Ausnahmen in den Nitratgebieten
da die Verordnung direkt nach Veröffentlichung in Kraft getreten ist, gelten diese Anforderungen ab sofort!

  1. Vor dem Aufbringen von Wirtschaftsdüngern sowie von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln, bei denen es sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt, müssen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden vom Betriebsinhaber oder in dessen Auftrag festgestellt werden.
  2. Abweichend von den flächendeckend geltenden Regelungen der Düngeverordnung gelten in den gefährdeten Gebieten um 10 kg abgesenkte Kontrollwerte. Bezug wird immer auf einen gleitenden Dreijahreszeitraum genommen, wobei das im jeweiligen Jahr begonnene Düngejahr (Kalender- oder Wirtschaftsjahr) zu Grunde gelegt wird.
    Zu beachten ist, dass der Betrieb die Bewertungen seiner Nährstoffvergleiche gesondert für seine Flächen rote DÜV-Gemarkungen-2019der ausgewiesenen Gebiete zu erstellen hat.
  3. Entgegen der flächendeckenden Regelung aus der Düngeverordnung müssen in den ausgewiesenen Gebieten mindestens fünf Meter in Abhängigkeit von der Ausbringungstechnik zwischen dem Rand der durch die Streubreite bestimmten Aufbringungsfläche und der Böschungsoberkante des jeweiligen oberirdischen Gewässers eingehalten werden.
    Zur Vermeidung von Abschwemmungen in oberirdische Gewässer dürfen stickstoff- oder phosphathaltige Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel auf Flächen, die innerhalb eines Abstandes von 20 Metern zur Böschungsoberkante eines solchen Gewässers eine Hangneigung von durchschnittlich mindestens 10 % aufweisen (stark geneigte Flächen), innerhalb eines Abstandes von zehn Metern zur Böschungsoberkante nicht aufgebracht werden. Auf stark geneigten Ackerflächen dürfen ferner die zuvor genannten Stoffe innerhalb eines Abstandes zwischen zehn und 20 Metern zur Böschungsoberkante nur wie folgt aufgebracht werden:
    auf unbestellten Ackerflächen nur bei sofortiger Einarbeitung,
    - auf bestellten Ackerflächen
    - mit Reihenkultur mit einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und mehr, nur bei entwickelter Untersaat oder bei sofortiger Einarbeitung,
    - ohne Reihenkultur nach Buchstabe a nur bei hinreichender Bestandsentwicklung oder
    - nach Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren.

Ausnahmen und Erleichterungen

Die Düngeverordnung des Bundes bestimmt, dass die erhöhten Anforderungen in den ausgewiesenen Gebieten nicht für Betriebe gelten, die gegenüber der nach Landesrecht zuständigen Stelle nachweisen, dass der betriebliche Nährstoffvergleich im Durchschnitt der letzten drei Düngejahre den Kontrollwert von 35 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr nicht überschreitet.
Die hessische Ausführungsverordnung regelt hierzu, dass dieser Nachweis unmittelbar nach dem Erstellen des betrieblichen Nährstoffvergleichs dem Regierungspräsidium Kassel
- Dezernat Landwirtschaft, Fischerei – als in Hessen zuständige Stelle vorzulegen ist.

Erleichterungen außerhalb der ausgewiesenen Gebiete

Außerhalb der ausgewiesenen gefährdeten Gebiete werden kleinere landwirtschaftliche Betriebe mit weniger als 30 ha landwirtschaftliche Fläche und wenn sie weniger als 3 ha Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren bewirtschaften von der Dokumentationspflicht, der Düngebedarfsermittlung und vom Erstellen eines Nährstoffvergleiches befreit. Außerdem dürfen bei ihnen im Jahr nicht mehr als 110 kg/ha Gesamtstickstoff aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft anfallen, und sie dürfen keinen außerhalb des Betriebes anfallenden Wirtschaftsdünger sowie keine organischen und organisch-mineralischen Düngemittel, bei denen es sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt, übernehmen und aufbringen.

Die Geltungsdauer der Verordnung ist bis zum 31.12.2026 befristet. Ob und inwieweit die derzeit diskutierte erneute Novellierung der Bundes-Düngeverordnung einen Anpassungsbedarf an der Hessischen Düngeverordnung auslöst, bleibt abzuwarten.