Die Feldlerche

Geschrieben am 28.01.2019 | Kategorie(n) Aktuelles

Gastbeitrag von Wolfgang Heimer

Die fast starengroße Feldlerche ist der Charaktervogel unserer Agrarlandschaft. Sie trägt ihren abwechslungsreichen Gesang meist aus großer Höhe vor. Für viele Menschen ist eine Ackerlandschaft ohne Feldlerchengesang kaum vorstellbar. Der kleine Feldvogel hält sich am liebsten dort auf, wo Pflanzen eine Vegetationshöhe bis maximal 50 Zentimetern erreichen und nicht zu dicht stehen. So können die Vögel ungestört ihre Bodennester bauen, sich verstecken und zwischen den Gräsern und Wildkräutern Nahrung suchen. Ideal ist für die Feldlerche ein Mosaik aus verschiedenen Landnutzungen und Ackerfrüchten. So kann der charismatische Sänger zu verschiedenen Zeiten in der Brutsaison ausreichend Flächen mit geeigneter Vegetationsstruktur finden. Nach der Paarung sucht das Weibchen im April den Platz für das Nest aus, sie scharrt eine bis zu siebe Zentimeter tiefe Mulde, die mit Pflanzenmaterial ausgepolstert wird. Im Abstand von je einem Tag legt das Weibchen zwei bis sieben, schmutzig-weiße, bräunliche oder leicht grünliche Eier.

Der Speiseplan der Feldlerche ist vielfältig: Auf den „Tisch“ kommt, was ihr die Natur während der verschiedenen Jahreszeiten bietet. Im Winter ernährt sie sich überwiegend vegetarisch von Pflanzenteilen und nahrhaften Sämereien. Große Getreidestoppelfelder oder Flächen die sich nach der Ernte selbst begrünen, wären für die Feldlerche in der kalten Jahreszeit ergiebige Plätze für die Futtersuche, sind aber aufgrund der schnellen Neueinsaat im Herbst selten geworden. Geräumte Maisfelder oder offenes Grünland hingegen bieten wenig Nahrhaftes. Mit dem beginnenden Frühling stellen die Lerchen ihre Ernährung auf kleine Tiere um und erbeuten Insekten und deren Larven sowie Spinnentiere. Außerdem fressen sie Regenwürmer und kleine Schnecken. Diese eiweißreiche tierische Kost ist vor allem während der Brutsaison wichtig.

Die zunehmende Konzentration des Ackerbaus auf die drei Kulturen Wintergetreide, Mais und Raps sowie der Rückgang von Brachen und Grünland führen zu mangelnden Brutflächen. Konnten Feldlerchen früher die erste Brut im Wintergetreide, die zweite im Sommergetreide und eine dritte auf Brachen aufziehen, bleibt es heute häufig bei nur einer Brut. Die Feldlerchenbestände befinden sich europaweit im deutlichen Sinkflug: Offizielle Monitoringdaten des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) zeigen zwischen 1990 und 2015 einen Bestandseinbruch um 38 Prozent, also um deutlich mehr als ein Drittel. Dies gilt uneingeschränkt auch für unseren Raum.

Feldlerche

Feldlerche

Feldlerche

Feldlerche

Wie können wir der Feldlerche helfen?

Gut ist ein Mix aus Sommer- und Winterkulturen sowie Brachflächen, damit Lerchen noch im späten Frühjahr brüten können. Breite Schneisen in großen Maisflächen bieten dem Vogel Brutstätte und Nahrung. Die Schneisen sollten mehr als zehn Meter breit sein und können als Brache, Blühstreifen oder Sommergetreide mit Erntemöglichkeit bestellt werden. Für eine lichtere und von der Feldlerche noch nutzbare Pflanzendecke sorgen ein breiter Saatreihenabstand, eine reduzierte Saatgutstärke sowie der Verzicht auf Pflanzenschutzmaßnahmen. Artenreiche Blühstreifen sind besonders effektiv, wenn sie möglichst breit oder unregelmäßig verteilt sind, um Nesträuber nicht direkt auf die Nester hinzuleiten. Sofern möglich sollten Flächenbearbeitung und das Mulchen von Wegrändern während der Feldlerchen-Brutzeit von März bis Ende Juli vermieden werden.

Auch Spaziergänger, Freizeitsportler und besonders Hundehalter tragen während der Feldlerchen-Brutzeit eine große Verantwortung und müssen bei ihren Aktivitäten darauf achten, dass das Brüten der Vögel nicht gestört wird. Besonders freilaufende Hunde verhindern das ungestörte Brüten und werden dadurch dem Gelege zum Verhängnis.

Text: Wolfgang Heimer, HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz)

Photo: Valentin Heimer